Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1918)
- Article
- Hermann Cohen als Jude
- Date
- 1918-06-01
- Page
- 237 (sequence 5)
- Language
- German
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Wilhelm von Humboldt und ferne Beziehungen zu den Juden Z37 Ewvfmdimgsniäßifle, das Lr>risckie vorwaltet. Wie deutsche Art weltoffen zur Menschheitskrrltur sich weitet: „Am deutschen Wesen wird dereinst die Welt genesen," so spannt das Judentum seine Erwartung aus, daß es helfen werde, „die Welt zu veredeln zum Reiche des Allmächtigen". Wie einst beim Heimgänge des großen Meisters nach einem talmudischen Ausspruche die Säulen des Lehrhauses Tränen Vergossen, so klagen jetzt alle, die das Judentum lieben, um den Verlust dieses begeisterten Prophetenjüngers und finden Trost in dem Dichterworts: „Was vergangen, kehrt nicht wieder; aber ging es leuchtend nieder, lettchtet's lange noch zurück." Beziehrmgerr zrr den Von Theodor WierusZowski - Görlitz.^) Die 25jährige Jubiläumsfeier des Centralvereins ist mir ein willkommener Anlaß gewesen, die Erinnerung an einen Mann wachzurufen, dessen große Verdienste um uns Juden in Vergessenheit geraten, zu sein scheinen: die Erinnerung an Wilhelm von Humboldt, Gerade vor 100 Jahren auf der Höhe 'seines Schaffens stehend, gehört er Zweifellos zu den hervorragendsten Staatsmännern, die Preußen hervorgebracht hat. Ein Edelmann in des Wortes bester Bedeutung, ist er mit feinstem Verständnis und einer selten zu findenden Vorurteilslosigkeit von frühester Jugend an für unsere Glaubensgenossen eingetreten, wenn es galt, ihnen in ihrer bedrückten Lage Erleichterungen zu verschaffen und mdenfeindlichen Bestrebungen entgegenzutreten. Für die Beurteilung dieses großen Staatsmannes, der auch ein großer, edler Mensch gewesen ist, bietet der Briefwechsel, den er mit seiner Frau das ganze Leben hindurch geführt hat, eine wahre Fundgrube. Schönere Briefe sind wohl selten geschrieben worden, und wir dürfen'uns glücklich schützen, daß sie zum größten Teile erhalten geblieben und vor einigen Jahren in sieben stattlichen Bänden der Oeffentlichkeit übergeben worden sind'. Ihre interessante Lektüre ist es auch, die mich Zu diesen Ausführungen angeregt hat. Um Wihelm von Humboldt in seinen Beziehungen zu den Juden Zu verstehen, müssen wir uns zunächst die Verhältnisse vergegenwärtigen, unter denen unsere Glaubensgenossen von der Mitte des 18. bis zu Anfang des 19. Jahrhunderts gelebt haben. Selbst ein *) Auszug aus einem Vorträge, den der Verfasser in der Ortslppe Görlitz am 14. März 1918 bei der 25jährigen Jubiläumsfeier Centralvereins gehalten hat.