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Im deutschen Reich · 1918-06-01 · Heft 6 (Juni 1918) · p. 236

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
24 (1918)
Issue
Heft 6 (Juni 1918)
Article
Hermann Cohen als Jude
Date
1918-06-01
Page
236 (sequence 4)
Language
German
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238 Im deutschen Reich Goldmanns, der in dem Gesetze gleichsam eine rettende Kriegsorganisation des von aller Welt befehdeten Judentums erblickt, so gehr er in der Frage der Grenzöffnung gegen die Ostjuden ganz mit den Zionisten. Dem Westjudentum sei ein Zustrom frischen Blutes nötig. Zwei Typen, der Heilige, der ganz in Frömmigkeit versunken, dem Unsichtbaren lebt, und der selbstlose Forscher, der als Talmudgelehrter nur aus idealen Motiven der Gedankenwelt lebt, sind hier verschwunden und können durch Einwanderung vom Osten wieder aufleben und Segen stiften- Ein Schwert war er gegen Israels Feinde. Vor Jahren im Antisemitenprozeß zu Marburg gab er sein grundlegendes Gutachten über Nächstenliebe im Talmud ab, dessen Gesinnung er durch das Wort kennzeichnet: „Wer sich kränken läßt, nicht Wieder kränkt, in Schmerzen fröhlich ist und stille bleibt bei Kränkungen, in allem nur aus Liebe handelt, der gehört zu den hellumstrahlten Gottesfreunden." Im Weltkongreß für freie Religion kurz vor Kriegsausbruch legt er Zeugnis »für die religiös-sittliche Genialität Israels in der Ausgestaltung der Sabbatidee ab, in der sich Gottbewußtsein mit sozialer Menschenliebe wunderbar durchdringt. Und als der Volkswirtschaftler Schmoller in den Tagen der unseligen Judenzählung von den Juden die volle Anpassung durch die Taufe verlangt und, vom Rassenwahn befangen, blind ist gegen den Kulturwert der jüdischen Religion, belehrt ihn Cohen mit der kraftvollen Sprache des Wahrheitszeugen, daß der Gottgedanke des Judentums, seine Menschheitsidee und die Forderung sozialer Gerechtigkeit es zu dem einzig möglichen Idealismus des auf Vernunft angelegten modernen Menschen mache. Vorher schon hatte er Chamberlains lächerliche Behauptung, die Goethische Weltanschauung sei frei von dem Einschlags des jüdischen Spinozismus, sondern durch den arischen Giordano Bruno beeinflußt, durch den schlagenden Hinweis in ihrer ganzen Nichtigkeit dargetan, daß dieser italienische Denker bei der Schrift „Lebensquelle" des jüdisch-spanischen Dichters Salomo Gabirol seine fruchtbarsten Entlehnungen gemacht habe; und in seiner Arbeit „Deutschtum und Judentum" beweist er nicht nur, wie die deutsche Gesittung in der jüdischen Bibel verankert ist, sondern tut dar, deutsche Wissenschaft habe durch Kant im Sittlichen des Lebens Sinn gefunden im Einklang mit dem Judentum, deutsche Religion als Religion des Gewissens habe sich das Wort des jüdischen Gottesbuches angeeignet: „Nahe ist dir diese Kunde sehr, in deinem Herzen ist sie." Und deutsche Kunst will Innerlichkeit, daher dis Großleistungen auf dem Gebiete der Musik, wie ja auch im Judentum das

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