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Im deutschen Reich · 1918-06-01 · Heft 6 (Juni 1918) · p. 235

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
24 (1918)
Issue
Heft 6 (Juni 1918)
Article
Hermann Cohen als Jude
Date
1918-06-01
Page
235 (sequence 3)
Language
German
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Herrnamr Cohen als Jude 235 befferttrotUen nach Newton das jüdische Volk unsterblich zu sein verdient, zeicst sich der jüdische Geist in seiner edelsten Ausprägung. Betend, d. h. Läuterung aus der Gemeinschaft mit Gott empfangend, saftend, d.h. seiner sittlichen Kraft innewerdend, gemeinsam mit den Brüdern, d. h. zu sozialer Arbeit für andere eufgefordert, gewinnt der Reuige durch eigene Arbeit an sich die Erlösung ans den Banden der Sünde und die Versöhnung mit seinem Gotte. Propheten — im regen Gedankenaustausch mit Julius Wellhausen, dem Begründer einer neuen Würdignngsrveife der Propheten, stand er Während vieler Jahre — und Schriftgelehrte haben diese religiöse Entwicklung folgerichtig ausgebaut. Er freut sich, darauf Hinweisen zu können, wie selbst in den Zeiten des Druckes und der Verfolgung der jüdische Geist sich seinen weltenweiten Universalismus gewahrt hat. Moses Jfferles in Krakau lehrte im 16. Jahrhundert, es heiße im 18. Gebet: Er gedenke des Liebeswirkens der Väter, und nicht unserer Väter, damit auch die nur dem Gemüte nach, nicht dem Geblüts nach den Patriarchen verwandte Seelen, die edlek Nichtisraeliten, sich diese Gebetsworte anrignen können. * * * Eine Säule war er und sorgte für die Erhaltung des Judentums. Noch über das Grab hinaus tönt seine mahnende Stimme. Zeit ist's, die Schäden mangelhafter Religionsunterweisung der Jugend zu beseitigen. Eine Akademie für- Religionsoberlehrer sei zu gründen. Hier sollen Männer ausgeüildet werden, die dank voller Stosfbeherrschung und methodischer Durchbildung auch bei knapper Stundenzahl ausreichende religiöse Bildung vermitteln können. Ein Freund des Hebräischen, an dessen Grab ein Nachruf in der heiligen Sprache ertönte, wünscht er, daß nicht nur über Religion gesprochen werde, sondern daß diese in den Quellenschriften ursprachlich zu Worte komme. Auch das Synagogenleben trage weiter das hebräische Kleid. Nicht weil diese Uniform alle Einheitsbekenner eint sondern weil das hebräische Gebetswort wunderbar befähigt ist, diejenige Fülle von GedaukLNverbmdungen zu wecken, die der Seele immer neue Anregungen und Impulse verleiht. Der freisinnige Mann, der ganz auf dem Boden einer Geschichtsauffassung steht, die sich am Gedanken der Entwicklung orientiert und die geschichtliche Erscheinungen als gewachsen und geworden ansieht, ist naturgemäß frei von jeder Formenstrenge und Formenstarrheit. Dennoch hält er die religiösen Einrichtungen für erhaltungsgemäß und lebenfördernd, weil diese Bin düngen auf Schritt und -Tritt den Pflichtgedanken wecken und die religiösen Ideen vor Verflüchtigung schützen. Berührt er sich hier ganz leise mit einem Gedanken Nachum

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