Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1918)
- Article
- Vom "jüdischen" Haß
- Date
- 1918-05-01
- Page
- 214 (sequence 2)
- Language
- German
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214 Im deutschen Reich geregt worden durch den Armeebefehl des bayrischen Kronprinzen. Demnach .wäre der Dichter zu seinem „Haßliede" nicht durch das Me Testament inspiriert worden. Im übrigen — und das ist durchaus nicht unwichtig — ist jene Notrz nicht geistiges Eigentum der „Kattowitzer Zeitung". Sie ist vielmehr durch zahllose deutsche Zeitungen gegangen, und stammt — wenn mich mein Gedächtnis nicht trügt — aus der antisemitischen „Deutschen Wach t". Erst später, als der Jude Lissauer als Dichter genannt wurde, setzte die Hetze ein; scheinbar also weniger gegen den Haß gegen England, als gegen den Inden, der es gewagt hatte, einem äementaren Volksempfmden so treffend Ausdruck zu verlechen. Nun war das Thema „Ist der Hatz deutsch oder undeutsch?" zur Diskussion gestellt. Die „Kreuzzeitung" und andere Blätter stellten sich auf den Standpunkt Chamberlains; die eigentlichen Deutsch-Völkischen dagegen schienen sich Wer das Wesen ihrer Volksseele nicht ganz klar zu sein. Jedenfalls fehlt es nicht an sehr temperamentvollen Bekenntnissen von Ariern zum glühendsten „alttestamentarischen" Hasse. So „singt" Will Vesper in den „Deutsch-völkischen Blättern" (1915, Nr. 49): Ich sah am Kreuze Jesus Christ, der aller Liebe Vater ist Und noch in Kreuz- und Todesnot, den Feinden seine Liebe bot Es sprach zu mir sein mild Gesicht: Nun siege Liebe! Hasse nicht! Ich aber Hab' mich abgewandt, nahm hier die Feder in die Hand Und schreibe her: Ich hasse, Herr! Aus tiefster Seele haß ich, Herr! Und blick dir doch klar ins Gesicht: Mein Haß weicht deiner Liebe nicht! usw. Diesem Gedicht zufolge scheint die Anlage zum Haß doch nicht in ursächlichem Zusammenhang mit der Abstammung von Abraham, Isaak und Jakob zu stehen. - Die Theorie Chamberlains wird aber noch treffender durch die Tatsache eck absurdum geführt, daß -gewisse Erbpächter des echten Deutschtums sich genötigt sehen, die Berechtigung des Haffes gegen jüdische Gefühlsduselei zu verteidigen. Der Abgeordnete Dr. Haas hatte in einer Reichstagsrede geäußert: „Das wissen wir alle, daß keiner im deutschen Volke ist, der gegen das französische Volk Groll im Herzen trägt." Darauf antwortet ihm Professor Eduard Engel, der bekannte Literaturgeschichtschreiber, in „1914. Ein Tagebuch" (zitiert nach Deutschvölk. Bl. 1915, Nr. 21): „Ich bin zum mindesten einer, der gegen das französische Volk untilgbaren Groll, unauslöschlichen Haß im Herzen trägt. Und ich weiß, daß um mich herum, ich fühle, daß durch das ganze große Deutschland hin Millionen so empfinden wie ich..." Und in Nr. 49 derselben