Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1918)
- Article
- Vom "jüdischen" Haß
- Date
- 1918-05-01
- Page
- 215 (sequence 3)
- Language
- German
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Die hebräische u. jüdische Bücherei d. Frankfurter Stadtoibliothek 215 Blätter schreibt Fr. Wietzershaus - Elberfeld: „Auch der starke Haß (nicht die kleinliche Gehässigkeit) stammt von Gott. — Wer sein Volk lieb hat, der wird in sich einen Haß nähren, wie ihn E. M. Arndt gehabt hat." Aehnlich schreibt „-ein süddeutscher Geistlicher" in der freikonfervativen „Post" (zit. nach Nr. 54 ders. Blätter): „Nein, Groll und Hatz sind keine Zeichen von Schwäche, keine Merkmale seelischer Entgleisung, sind nicht zügellos, nicht menschenunwürdig, sondern zeugen viel eher von Charakter und Rückgrat; man denke nur an Für st Bismarck, der wie kaum ein anderer hassen könnte." E. M. Arndt und Bismarck, die Deutschesten der Deutschen, als Kronzeugen für den deutschen Haß! Da hat sich Herr Chamberlain mit seiner Lehre vom „alttestamentarischen" Hasse scheinbar arg vergriffen. Aber das ist verständlich. Denn es ist gewiß nicht leicht, die Seele des deutschen Volkes zu ergründen, wenn man eben erst „eingedeutscht" worden ist und überdies Housten Stewart Chamberlain heißt. Vorsichtiger hätte, der kluge Herr Chamberlain aber schon darum sein dürfen, weil er für seine „deutschen" Kriegsaufsätze dieselbe Ordensauszeichnung vom deutschen Kaiser erhalten hat wie Lissauer für seinen „jüdischen" Haüaesang. So ist die Geschichte von Lissauers „Haßgesang" ein Schulbeispiel für die Leichtfertigkeit, womit der Gegensatz Zwischen „deutsch" und „jüdisch" geschaffen und vertieft wird. Die hebräische und jüdische Bücherei der Frankfurter Stadtbibliothek. Von Oscar Lehmann (Mainz). Eine einzigartige, in ganz Deutschland nicht wiederzufindende Kost- Zarkeit die selbst vielen alteingesessenen, auf ihre Vaterstadt stolzen Bürgern kaum bekannt ist, ist die „Hebraica- und Judaica-Sammlung" in der Frankfurter Stadtbibliothek. Freilich, der Fachmann schätzt diese Sammlung, und wo immer in Deutschland irgendein Gelehrter oder Schriftsteller ein jüdisches oder hebräisches Buch braucht, das anderwärts gar nicht zu beschaffen ist, wendet er sich nach Frankfurt; hier muß es sein und hier ist es auch. Denn was irgendwie für Geld zu beschaffen war, ist hier angeschafft worden. Aber das große Publikum ist schon lange nicht mehr auf diese köstlichen Schätze hingewiesen worden. Den ersten Grund zu der Bibliothek legte der 1704 gestorbene Sprachforscher Hiob Ludolf, indem er der Stadt den größten Teil seiner . orientalistischen, zahlreiche Bibelausgaben und grammatische Schriften enthaltenden Büchersammlung vermachte. Nach mehr als 100 Jahren, im Jahre 1822, kamen durch den Anfall der Klosterbibliotheken auch wertvolle Bücher anderer Gattung zur Stadtöibliothek, wie Ausgaben der Mischnah, des Talmud und selbst Geöetsammlungen, die wohl durch Konfiskationen ihren Weg in jene gefunden haben mochten. Werteren beträchtlichen Zuwachs brachten dann zwei größere Schenkungen: dre erne erhielt die Stadtbibliothek aus dem Nachlasse des 1860 verstorbenen Dr. Isaak Marcus Jost, die andere stiftete im Jahre 1867 Justizrar Dr. S. Fuld zum Gedächtnis seiner Eltern. War die Jostsche Schenkung durch ihren Reichtum an Schriften zur jüdischen Literatur und'Geschichte, insbesondere zur Geschichte der Judenemanzipation und zur Reform-