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Im deutschen Reich · 1918-05-01 · Heft 5 (Mai 1918) · p. 213

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
24 (1918)
Issue
Heft 5 (Mai 1918)
Article
Vom "jüdischen" Haß
Date
1918-05-01
Page
213 (sequence 1)
Language
German
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Vorn jüdischen Haß 213 Vom „jüdischen" Saß. Don Mittelschullehrer H. S L e r n - Kattowitz. Im Märzheft dieser Zeitschrift erinnert „ein im Felde stehender junger Leser" („Mehr Aufilärung") m Chamberlains volkspsychologische Erklärung für Lissauers Haßgesang und knüplt daran die Bemerkung: .. dieser Satz gilt so lange als Wahrheit, bis klipp und klar das Gegenteil erwiesen ist. Und wenn nun diesem Leser (der Chamberlainschen „Kriegsaufsätze") wirklich von jüdischer Seite eine Broschüre zugesandt wird, in der von allen den zahllosen Aussprüchen der Bibel und des Talmud über Nächstenliebe hundert aneinandergereiht sind, so wird das nichts oder doch nicht dauernd und gründlich helfen ..— Sehr richtig! Nun sollte man zwar meinen, daß ein objektiv denkender Mensch, der sich noch der Volksstimmung in den ersten Kriegsmonaten erinnert, auch ohne „Aufklärung" wissen müßte, was er von der Mär vom „jüdischen" Hasse zu halten habe. Daß Lissauers „Hatzgesang" wie ein Sturmwind durch die deutschen Land e flog, müßte doch auch dem blödesten Auge zeigen, daß er einer weitverbreiteten und tiefen Volksstimmung Ausdruck gab — mag man sonst auch zu dem Gedichte stehen wie man will. Der Kriegsruf von Millionen von Deutschen „Gott strafe England" ist gewiß auch kein Zeichen der Liebe. Und vor allem einem Schriftsteller wie Chamberlain, der das irrationale Moment so hoch einschätzt, sollten solche Erwägungen zu denken geben. — Da nun aber doch „Aufklärung" gewünscht wird — und es gibt gewiß Menschen, die sie nötig haben — so sind wir diesmal in der glücklichen Lage, diese Aufklärung auch ohne Heranziehung von Bibel und Talmud geben zu können. Herr Chamberlain schreibt (Neue Kriegsaufsätze, 1915): „Treitschke bemerkt, der deutschen Gutmütigkeit sei der Haß schwer faßlich; der Verfasser des „Haßgesangs gegen England" kämpft als wackerer Deutscher mit, entstammt aber einem Volke, das — im Gegensatz zum deutschen — von jeher den Haß als eine Haupteigenschaft großgezogen hat, und demselben Volk entstammt bk gesamte Redaktion der „Times", der „Daily Mail", des „Matin"; solche Dinge darf man nicht übersehen. Der germanische Deutsche ist nicht allein zu gutmütig, er ist namentlich den Gefühlen und Erwägungen der Gerechtigkeit und der Billigkeit viel zu sehr zugetan, um in alttestamentarischem Haffe sich wohl zu fühlen..." Also sprach Herr Houston Stewart Chamberlain, der magister Germaniae im zwanzigsten Jahrhundert. — Nun wollen wir eine andere Stimme über den „Haßgefang" hören. In Nr. 267 vom 14. November 1914 veröffentlicht die „Kattowitzer Zeitung" den „Haßgesang" mit folgender intereffanten Vorbemerkung: „Haß gegen England" ist das" Gedicht betitelt, das auf Befehl des Generalkommandos an alle bayerischen Truppen im Felde verbreiiet worden ist. Der Verfasser.' ein Soldat des 10. bayerischen Infanterie-Regiments, ist zu diesem flammenden Protest aus dem tiefsten völkischen Empfinden an-

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