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Im deutschen Reich · 1918-05-01 · Heft 5 (Mai 1918) · p. 209

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
24 (1918)
Issue
Heft 5 (Mai 1918)
Article
[Ohne Titel] / J. Sch.
Date
1918-05-01
Page
209 (sequence 5)
Language
German
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IRI
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Umschau 209 Herr Heins hat als Kronzeugen gegen die Juden auch unfern Goethe angeführt. Der habe gesagt: „Es ist ein jeglicher in deinem ganzen Land auf ein und and're Art mit Israel verwandt, und dieses schlaue Volk sieht einen Weg nur offen: So lang' die Ordnung steht, so lang' hat's nichts zu hoffen." Die Verse stehen allerdings bei Goethe; man findet fie in dem Schönbartspiel „Das Jahrmarktsfest zu Plundersweilen", nicht in der ursprünglichen Fassung von 1773, sondern in der späteren, die das Esther-Zwischenspiel weiter ausgearbeitet hat. Aber wenn ein Antisemit zitiert und Wolfaang Goethe für sich anruft, darf man von vornherein annehmen, daß es mit demselben Recht geschieht, mit dem Herr Heins den christlichen Reichstagsabg. Dr. David, nur weil er David heißt, zum Juden stempelte. Die Verse entsprechen der Sinnesart Goethes ungefähr ebenso wie Aussprüche Albas im „Egmont", oder die Moralanschanungen von Franz, der „Canaille" in den „Räubern* der Sinnesart Schillers entsprechen, obwohl Schiller sie niedergeschrieben hat. - Die zitierten Verse werden nämlich von Goethe einem grauen Vorfahren des Herrn Heins, dem Judenhasser Haman in den Mund gelegt, als er den Kaiser Ahasverus zur Ausrottung der Judenhäuptlinge aufreizen will! Wenn schon einmal aus dem kecken „Jahrmarktsfest zu Plundersweilen" zitiert werden soll, dann hätte Herr Heins auch einiges aus den Antworten des Ahasverus wiedergeben sollen. Aus das Drängen Hamans, die Juden, die entgegen der Landesreligion an einen einzigen Gott glauben, durch Flamme und Schwert zum Götzendienst zu bekehren, antwortet Ahasverus: „Mir ist es einerlei, wem sie die Psalmen singen, wenn sie nur ruhig sind und mir die Steuern bringen." Auf die Anklage Hamans „Der Jude liebt das Geld und fürchtet die Gefahr, er weiß mit leichter Müh und ohne viel zu wagen, durch Handel und durch Zins Geld aus dem Land zu tragen," antwortet Kaiser Ahasverus: .Ich weiß das nur zu gut, mein Freund, ich bin nicht blind; doch das tun andre mehr, die unbeschnitten sind." Den Antisemiten sei dieser Ausspruch, den Goethe einem Kaiser, nicht einem hetzerischen Judengegner, in den Mund legt, angelegentlich zur Weiterverbreitung empfohlen. Zum mindesten Herr Heins sollte das tun, damit er die öffentliche Verfälschung Goethescher Sinnesart einigermaßen wieder gntmache. Noch ein paar Worte über ein Verfahren des Abgeordneten Heins, das an sich unbedeutend erscheinen mag, doch einen be-

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