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Im deutschen Reich · 1918-05-01 · Heft 5 (Mai 1918) · p. 208

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
24 (1918)
Issue
Heft 5 (Mai 1918)
Article
[Ohne Titel] / J. Sch.
Date
1918-05-01
Page
208 (sequence 4)
Language
German
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208 Im deutschen Reich Abg. Boisly erklärte: „Meine Freunde würden es nicht nur als eine unverantwortliche Zeitverschwendung erachten, sondern als unserer Würde nicht ganz entsprechend, wenn wir zu dem Antrag Heins mehr sagen würden als: wir lehnen ihn einstimmig ab." Der fortschrittliche Abg. Rosenow betonte in einer persönlichen Bemerkung, daß er Anschauungen, wie sie hier durch Herrn Heins zu Tage gefördert wurden, mit Verachtung strafe. Abgeordneter Cassel erhob Einspruch gegen die Ausnutzung der Tribüne des Hauses zu solchen Verhetzungen, denn draußen im Lande wisse man ja nicht, daß diese Rede hier nur erheiternd gewirkt habe. Die Rede war „eine Sammlung von kränkenden, jeder wahren Grundlage entbehrenden Behauptungen, von Entstellungen und ungereimten Anführungen und Ausführungen, von gänzlich haltlosenGerüchten, zum Teil auch von objektiven Verleumdungen." Abg. Kanzow sagte: „Ich wünschte, Herr Heins hätte gesprochen, ehe über das Pluralwahlrecht abgestimmt wurde. Mancher wäre vielleicht zweifelhaft geworden, was das heißt, auch der Bildung eine Zusatzstimme zu geben." Vielleicht reist dem Kasseler Lehrer noch der Ruhm seines Berufskollegen Ahlwardt, des Rektors aller Deutschen und * des Dreschgrafen Pückler. Diesen beiden haben die Konservativen zugejubelt und ihre demagogischen Hanswurstiaden für ihre Zwecke ausgenutzt solange, bis ihre Rolle ausgespielt war und man sie als geistig abnorm in die Ecke Wersen mußte. Herr Heius ist noch nicht ganz so weit, daß er von hochwohlgeborenen Adligen als Retter Preußens-Deutschlands gefeiert wird. Vielleicht erscheint den Konservativen und Bündlern der Augenblick nicht ganz günstig, den neuen Judenhetzer als eine Zugnummer für Rundparketts im Lande zu gebrauchen: aber Herr Heins hängt schon jetzt an ihren Rockschößen. Sie haben ihn nicht abgeschüüelt, feine Rede hat aus ihren Reihen keinen Widerspruch gefunden. Und Herr Heins ist obendrein Hospitant der konservativen Partei! (Auch auf den Evangelischen Bund fällt ein Strahl aus dieser neuen Sonne; denn Herr Heins ist Vorstandsmitglied und Schriftführer des Kurhefnschen Hauptvereins des Bundes.) Während die Konservativen bemüht waren, die Debatten über das Wahlrecht gewaltsam zu beschleunigen, während selbst ein Kardorff darum kämpfen mußte, seine abweichenden Anschauungen vorkragen zu dürfen, bevor das Fallbeil des Debattenschlusses niedersuhr, ließen die Konservativen ihren Heins ohne weiteres zu Worte kommen, und er ritt, gegen den Widerspruch des Präsidenten, der ihn wiederholt zur Sache ermahnen mußte, als Ritter ohne Furcht und mit Tadel seinen antisemitischen Gaul.

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