Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1918)
- Article
- [Ohne Titel] / J. Sch.
- Date
- 1918-05-01
- Page
- 207 (sequence 3)
- Language
- German
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Umschau 20? Ahlwardt redivivus! Das war der Eindruck, den die Rede des Wg. Wilhelm H e i n s am 4. Mai impreußischen Abgeordnetenhause auf Viele gemacht hat. Herr Heins hatte den förmlichen Antrag eingebracht, daß vom preußischen Wahlrecht alle Fremoklasfigeu aasgeschlone« sein sollen. Dieses schnurrige Boot fuhr nur unter seiner Flagge, seine einzige Besatzung war Herr Wilhetm Heins, und schließlich sprang er unter großer Heiterkeit des Hauses selber aus dem schwankenden Boot ans Land, und zog nach schwunglos vorgetragenenJudenhetzereien den Antrag zurüct. Während die widerstrebenden Parteien des Abgeordnetenhauses vom gleichen Wahlrecht für alle Deutschen nichts wissen wollen,, und statt dessen bestimmten Personen ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses Zusatzstimmen gewähren möchten, hat der Volksschul- und Turnlehrer Heins aus Kassel aus diesem Kriege die Lehre gezogen, daß die Fremdrassigen überhaupt nicht wählen dürfen. Unter diese Bestimmung würden die preußischen Juden und die preußischen Polen fallen, aber Herr Heins hat in seiner Rede in anerkennenswerter Weise sofort Klarheit darüber gegeben, daß er nur die Juden meine. Sachlich Herrn Heins zu erwidern, der trotz seinem Antrag kraft seiner Anstellung ein Erzieher der Heranwachsenden'' Jugend sein darf, halten wir nicht für notwendig, besonders, nachdem die fortschrittlichen Abgeordneten Landgenchtsdireklor a D. Kanzow und Geh. Justizrat Cassel noch in derselben Sitzung dem Streiter für Ungerechtigkeit, die für ihn das Fundament des, preußischen Thrones und Landes zu sein scheint, wirkungsvoll entgegengetreten sind. Wir wollen nicht wiederholen, daß die deutschen und preußischen Juden für ihr Vaterland leben, wirken und sterben, möchten aber doch bemerken, daß es von einer nicht beneidenswerten moralischen Grundlage zeugr, einen solchen Antrag zu einer Zeit einzubringen, in der die deutschen Juden in den Schützengräben mit ihren christlichen Mitbürgern für ihr Vaterland Leid und Tod teilen, und in der König und Regierung dem deutschen Volke das gleiche Wahlrecht gewähren wollen. Die Kanonaden, denen die südischen Soldaten auf den Kriegsschauplätzen ausgesetzt sind, sind nicht zu vergleichen mit der Kanonade, die der in Sicherheit befindliche Herr Heins gegen die Juden eröffnet hat. Ein Vergleichen würde zur Satire werden. Es war ein Schießen mit Blindgängern, Handlung und Rede waren Don-Quichotterien, die sogar im preußischen Abgeordnetenhause tödliches Gelächter veranlaßten Der sozialdemokratische Abg.>Leinert meinte, der Abg. Heins „ist Turnlehrer, und die Bocksprünge, die er hier vorgeführt hat, wird das ganze Haus nicht mitmachen können". Der uatioualliberale