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Im deutschen Reich · 1918-05-01 · Heft 5 (Mai 1918) · p. 204

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
24 (1918)
Issue
Heft 5 (Mai 1918)
Article
Kritische Bemerkungen
Date
1918-05-01
Page
204 (sequence 6)
Language
German
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204 Im deutschen Reich Dingen; wir dürfen deshalb auch dem Kamps gegen die kleinen Schreier nicht mit einer vornehmen Handbewegung ausweichen. Der Vorschlag des geschätzten Herrn Verfassers, durch ein objektiv gehaltenes, flüssig und anregend geschriebenes Werk die Eindämmung des Antisemitismus zu versuchen, ist u. E. nicht von der Hand zu weisen. Der Centralverein hat bisher stets derartige Publikationen gefördert und wird es auch weiter tun. Wir sind jedoch der Ansicht, daß praktische Erfolge sich hauptsächlich auf praktischer Kleinarbeit ausbauen, zu der auf der einen Seite der Abwehrkampf mit allen seinen Ausstrahlungen, den edlen und unedlen gehört, auf der andern Seite positives Arbeiten nach der Richtung, dem Judenhaß materiell jeden Vorwand zu nehmen. So streben wir dahin, daß die Juden möglichst vorbildliche Staatsbürger seien. Das ist, ganz unabhängig von dem Nebenzweck, den Antisemitismus durch die Unantastbarkeit der deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens zu entwaffnen, ein ethisches Beginnen, gegen das wohl niemand etwas einzuwenden haben wird! Zur positiven Arbeit gehört auch das Streben, die Zahl der Berufe zu vermehren, die Tätigkeitsgebiete der Juden weiter zu spannen. Der von Prof. Ehrmann herangezogene Aufsatz im Januarheft „Judentum und Landwirtschaft" ging, gleich der dem Centralverein angegliederten Berufsberatungdavon aus, daß die spezifisch „jüdischen" Berufe sich in allgemeinere Berufe ausdehnen müßten. Die bewegliche Intelligenz der Juden zeigt selbstverständlich eine Hinneigung zu ganz bestimmten Tätigkeitsgebieten; andrerseits werden viele Juden in einen Beruf, zu dem sie weder Neigung noch Begabung besitzen, nur deshalb gepreßt, weil er zu den „jüdischen" Berufen gehört, und die anderen Berufe von Juden noch nicht oder zu wenig erprobt worden sind. Es ist nicht zu leugnen, daß viele Juden starke Neigung zur Landwirtschaft haben, aus traditionellen und äußeren Gründen jedoch nicht den Mut sinden, ihrer Neigung zu folgen. Das gleiche gilt von den Handwerkerberufen. Hier Vorurteile zu zerstören, halten wir für eine würdige und segensreiche Ausgabe. Wir begnügen uns mit diesen Andeutungen. Wir glauben uns in der Annahme nicht zu täuschen, daß auch Herr Professor Ehrmann im Grunde unsere Arbeit und unsere Ansichten billigt*), wie auch wir seinen Ausführungen keineswegs ohneVerständigungswillen und etwa so schroff gegenüberstehen, wie unsere Erwiderung vielleicht vermuten lassen könnte. Wir haben nur im Interesse *) Wie Pros. Ehrmann uns nachträglich mitteilt, hat es ihm in der Tat ferngelegen, die Arbeit des Centralvereins, dem er schon viele Jahre angehört, gering einzuschätzen. ...

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