Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1918)
- Article
- Kritische Bemerkungen
- Date
- 1918-05-01
- Page
- 203 (sequence 5)
- Language
- German
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Kritische Bemerkungen 208 gegangene Kleinarbeit gibt es keinen Erfolg. Dies gilt für alle Gebiete. Gerade die Kleinarbeit aber und der Kleinkampf werden meistens als unangenehm empfunden, als niederdrückend, als schwunghemmend; und sind doch notwendige Etappen zum helleren Ziel, das wir Erdgeborene leider nicht, wie etwa das Genie, mit ausgebreiteten Flügeln erdentrückt erreichen können. Aber selbst das Genie braucht Alltagsarbeit und den Fleiß, den die Götter vor den Erfolg gesetzt haben. Die Beachtung des Kleinen, auch Kleinlichen ist besonders notwendig im Kanipf. Wir Juden stehen im Kampf, eine versprengte Minderheit gegenüber Feinden und Uebelwollenden in herrschender Mehrheit. Im Kampf gibt es nichts Unwesentliches, nichts, über das das Auge eines Führers als unwichtig Hinweggleiten darf. Das anscheinend Geringfügige kann, unbeachtet, zum Ausgang großer Mißerfolge werden. Neben allen großen Schlachten gehen die kleineren Gefechte, voraus gehen Zusammenstöße zwischen Vorposten, vorfühlende Patrouillenerkundungen. Die Führer müssen auf alles achten, ohne daß sie sich deshalb von den großen Linien des Schlachtplans abbringen lassen dürfen. Und schließlich hat unsere Zeitschrift die Pflicht, ihre Leser über die Vorgänge auf den einzelnen Kriegsschauplätzen zu unterrichten und als ihr öffentliches Organ, als Sprachrohr und Waffe des Centralvereins und seiner Mitglieder einen Teil des Kampfes zu führen. Wir können uns die Gegner nicht aussuchen; wir können uns auch nicht die Vornehmheit erlauben, mit einer Abwehrgeste an sie heranzutreten: „Nein, du bist uns zu klein, zu tief, zu niedrig; du bist zu gewöhnlich; mit dir geben wir uns nicht ab." Auch uns wäre es lieber, wenn wir edlere Kämpfe zu bestehen hätten, nicht so häufig Schmutz anzufassen und mit antisemitischem Gelichter uns herumzuschlagen brauchten. Aber wir Juden haben es doch häufig genug erlebt, daß selbst die tollsten und hirnverbranntesten Behauptungen wie eine Pestkrankheit weite Volksschichten ergriffen haben. Wir wissen ferner, daß die übelsten antisemitischen Demagogen von vornehmen, einflußreichen Kreisen, die sich, gleich einem Generalstab, im Hintergründe halten, gedeckt und gestützt werden: und wir sehen gerade jetzt — trotz dem Krieg, der Juden und Christen die größten gemeinschaitlichen Opfer auferlegt — daß sogar als vornehm geltende Zeitschriften von einem Antisemitismus durchseucht sind, der sich von dem Antisemitismus der Gasse nur durch eine gewähltere Ausdrucksweise unterscheidet, ihm aber an Gemeinheit, Niedertracht und Gefährlichkeit nicht nachsteht. Es ist unsere Pflicht und unser Amt, uns mit den Gegnern, wo und in welchem Gewände auch immer sie auftauchen, auseinanderzusetzen, nicht nur in großen, sondern auch in kleinen