Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1918)
- Article
- Kritische Bemerkungen
- Date
- 1918-05-01
- Page
- 201 (sequence 3)
- Language
- German
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Kritische Bemerkungen 201 Es dürfte sich empfehlen, die obengenannte eigenartige geistige Struktur, ihre Art im einzelnen und speziell den Einfluß des jüdischen Geistes auf unsere heutige Kultur unvoreingenommen durch geeignete Kräfte studieren zu Lassen, und die Mittel hierzu aufzubringen. Ein solch objektiv gehaltenes, jedoch flüssig und anregend geschriebenes Werk könnte wohl schließlich mehr Einfluß auf die Eindämmung des Antisemitismus gewinnen, als man heute glaubt. Sieht man doch umgekehrt, wie es der sprühenden und sprudelnden Schreibweise eines Schriftstellers gelungen ist, die Masse der sogenannten Gebildeten an seinen geistreichen Irrlehren zu berauschen und die Mitwirkung der Juden an der Kultur des neunzehnten Jahrhunderts als belanglos und schädlich hinzusrellen. — Vielleicht waren es, so paradox es klingen mag, ganz die bleichen Beobachtungen und Empfindungen, wie ich m der oben geforderten Schrift sie mir unvoreingenommen geschildert und untersucht denke, die dem betreffenden Schriftsteller, vielleicht unbewußt, sich aufdrängten und die ihn in falschem Stolz und herostratischem Unmut zu einem Werke anfachten, das mit Feuer und Flamme jegliches Gute am Juden und Judentum auszuwischen trachtet. Es würde auch versöhnend wirken, wenn in einem solchen Wer? gezeigt wird, wie manche guten Eigenschaften des Juden zu erklären sind, auf die er stolz zu sein keinen Grund hat, weil sie nicht sein Verdienst sind. Aber auch die Ansicht von seiner Minderwertigkeit, die er leider vielfach selbst sich hat einpflanzen lassen, nachdem sie durch pseudowissenschaftliche Schriften in die Masse, getragen worden ist. wird er dann stolz besieii»schieben. Psychologisch ist die rasche Ausbreitung solcher Rasseirrlehren leicht verständlich, weil sie allen wirklich Minderwertigen das Recht gibt, andere gering zu schätzen und sich selbst auf Grund von vagen Rassevorsteüungen zu überheben und als Bessere anzusehen, die deswegen — und das ist des Pudels Kern — ohne Verdienst Forderungen zu erbeben und Vorzüge zu genießen als ihr gutes Recht ansehen zu dürfen glauben. Von solch einem Werk, wie vorgeschlagen, ist vielleicht mehr Zu erwarten, als von den vielen kleinen Äbwehrmaßnahmen. die auf jedes Machwerk verwandt werden, oder wenn man alle Behauptungen der Gegner dadurch entkräften und beZeitigen will, indem man Vorschläge macht, die. wenn auch unbeabsichtigt, so doch in praxi deren Wünschen Nachkommen. So die Vorschläge im Januarheft dieser Zeitschrift: Der Jude soll vom „industriellen Typus" sich lossagen und dem „heroischen Typus" sich zuwenden. Leider findet sich der heroische Typus, wenn man von Mundhelden absieht, nur vereinzelt, aber in allen Kreisen und Klassen. Oder der jüdische Jüngling und das jüdische Mädchen sollten mehr als bisher die Mühseligkeiten des Lebens als Landbewohner und Bauern auf sich nehmen. Ohne den guten und lobenswerten Absichten dieser Vorschläge auch nur im geringsten nahetreten zu wollen, scheint mir der Weg nicht der richtige. . Trotz der vielen Vorzüge und Schönheiten des Landlebens