Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1918)
- Article
- Judenmission
- Date
- 1918-05-01
- Page
- 188 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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188 Im deutschen Reich minderwertig und selbstsüchtig erklärt, was eigentlich auch bisher der ärgste Judenfeind noch nicht gewagt hat, so ist diese gehässige Verdrehung offenkundiger Tatsachen nicht gerade geeignet, für die von ihm vertretene Sache Freunde zu gewinnen. Nach berühmtem Rezept ruft er auch: „Haltet den Dieb!" Schaeffer ist nämlich geradezu von der Idiosynkrasie beherrscht, das Judentum sei dem Christentum feindlich gesinnt, und alles, was es lehre und tue, sei nur von dieser Rücksicht, von der Flucht vor.dem Christentum diktiert. Selbst unser Glaubensbekenntnis „Höre Israel" ist nach ihm immer mehr „antichristlich" zugespitzt worden!! Als ob wir nicht wirklich andere Sorgen hätten, als ob unser Verhältnis zur christlichen Religion nicht restlos in dem Wunsche erschöpft wäre, man möge uns endlich einmal — vor allem mit aufdringlichen Bekehrungsversuchen — in Ruhe lassen. Die Annahme, daß alles im Judentum mit Rücksicht auf das Christentum geschehe, wirkt oft grotesk, so wenn er es eine Flucht vor dem Christentum nennt, daß wir unseren Sabbat nicht auf den Sonntag verlegen! Schaeffers historische Kenntnisse sind nicht groß — ich gebe ihm beispielsweise den wohlgemeinten Rat, die für einen christlichen Geistlichen etwas peinlich wirkende Verwechslung von „griechisch-katholisch" mit „griechisch-orthodox" auf Seite 135 in der nächsten Auflage zu verbessern — aber das dürfte er schon wissen, daß der christliche Sonntag hauptsächlich deshalb gewählt worden ist, um nicht mit. den Juden denselben Ruhetag zu begehen. Man könnte das vielleicht „eine Flucht vor dem Judentum" nennen! Wenn Schaeffer nicht anders missionieren zu können glaubt, als wenn er auf das Judentum schimpft, so befinden wir, die Angegriffenen, uns freilich dabei in bester Gesellschaft. Ein besonders erhebendes und begeisterndes Bild von der Einigkeit und Größe des Christentums erhält der „Taufbewerber" nicht, wenn er gleich zu einem gesinnungstüchtigen Katholikensresser erzogen wird. Der Katholizismus wird in diesem Tausleitfaden nicht nur beschimpft, sondern geradezu verhöhnt. Mysterien der katholischen Kirche, wie die Wandlung, werden als Aberglaube stigmatisiert, dem Sakrament der Ohrenbeichte wird nachgesagt, es führe zu sexuellen Schamlosigkeiten, und über das Sakrament der letzten Oelung macht sich Schaeffer durch den Vergleich mit „Nadowessiers Totenlied" von Schiller geradezu lustig. Es ist kaum anzunehmen, daß ein wirklich religiöses Gemüt sich nicht durch diese lieblose und gehässige Kritik von Einrichtungen, die Millionen Menschen heilig sind, abgestoßen fühlen, sollte. Auf solche Gemüter dürfte die Wirkung des Taufleitfadens ganz anders sein, als der Verfasser sie sich vorstellt. Das Judentum hat ein großes Interesse daran, daß Bücher wie das vorliegende geschrieen und verbreitet werden. Es