Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 4 (April 1918)
- Article
- [Ohne Titel] / J. Sch.
- Date
- 1918-04-01
- Page
- 158 (sequence 4)
- Language
- German
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158 3nt deutschen Reich Es würde heute keine rumänische Judenftage geben, wenn Rumänien nicht vierzig Jahre lang ein feierliches und verbrieftes Versprechen uneingelöst gelassen hatte, ohne daß die Großstaaten, die seine Unabhängigkeit garantierten, gegen diese frivole Nichtachtung des Vertrages, der Humanität und der Gerechtigkeit eingeschritten wären. Aus der innern Politik ist wenig zu berichten. Die Parlamente haben einige Wochen gefeiert. Während viele der Ansicht sind, daß die mit der „Neuorientierung" zusammenhängende Parlamentarisierung der Regierung leichter und reibungsloser zu erlangen wäre, wenn die Volksvertretung sich nicht in so viele Parteien zersplitterte, sondern, wie in England, im wesentlichen nur zwei Hauptparteien einander gegenüberständen, soll noch eine neue Partei gegründet werden. Sie nennt sich Deutsche Arbeiter- und Augestelltenpartei. Daß sie keine Weltanschauung vertritt wie die Konservativen, die Liberalen, das Zentrum oder die Sozialdemokratie, tut sich schon in ihrem Namen kund, der auf rein wirtschaftliches Gebiet hmzielt. Sie trägt alle Zeichen einer raschwelkenden Eintagsgründung, einer Zeit- und Zweckgründung an sich, ungefähr wie die Deutsche Vaterlandspartei, die sich nach Friedensschluß auslösen will. In dem Aufruf der Gründungsherren wird z. B. an die Spitze der Forderungen gestellt: „Für den deutschen Sieg! Für Entschädigungen, Siedelungsland und Sicherungen! Für den Anschluß der gesamten Deutschbalten im Osten und der niederdeutschen Flamen im Westen an das Deutsche Reich. Weg mit diesem überalterten Reichstag!" Es werden also im wesentlichen Forderungen ausgestellt, die mit Abschluß des Krieges fast automatisch ihre Erledigung finden. 'DaS profunde parteipolitische Wissen der Gründungsherren zeigt sich darin, daß sie gegen den „Erzberger-Scheideinann-Dittmannschen Block" eifern, während dieSchetdemannschen Sozialdemokraten und die Dittmannschen Unabhängigen Sozialisten einen Block bilden ungefähr so, wie ihn Wasser und Feuer bilden könnten. Wir würden diese beabsichtigte Parteigründung, die vom „Vorwärts", dem sozialdemokratischen Hauptorgan, ein „neuer alldeutscher Mummenschanz" genannt wird, schwerlich in dieser Zeitschrift erwähnen, wenn in dem Aufruf nicht auch die Kampfforderung enthalten wäre: „Gegen die Herrschaft des jüdischdemokratischen Geldsacks!" Wenn sich Arbeiter und Angestellte gegen die Herrschaft des Geldes wenden, so ist das verständlich und berechtigt. Eine Geldsackherrschaft ist niemandem sympathisch. Die Augen der neuen Parteigründer müssen aber seltsam beschaffen sein, wenn sie eine Herrschaft des jüdisch-demokratischen Geldsacks in Preußen und Deutschland entdecken (während die „jüdischen" Demokraten das Geldfackwahlrecht Preußens ab-