Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 4 (April 1918)
- Article
- [Ohne Titel] / J. Sch.
- Date
- 1918-04-01
- Page
- 159 (sequence 5)
- Language
- German
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Zur tzerrenhausfrags 159 schaffen wollen) und sie anderseits keine Spur einer Herrschaft des christlich-schwerindustriellen Geldsacks bemerkt haben. Gerade dieser Umstand scheint zu bestätigen, daß die Bezeichnung des „Vorwärts" zutrifft. Wir möchten sie aber dahin ergänzen, daß wir die beabsichtigte Parteigründung einen „neuen alldeutsch-antisemitischen Mummenschanz" nennen. Einstweilen hören wir nur das Klingeln von Narrenglöckchen. Sollte es ernst werden, so werden wir den Vermummten scharf ins Gesicht zu leuchten suchen. _ I. Sch. Zrer Herrercharrssrage. In der Februarnumrner habe ich in meinem Aufsatz „Die Einheitsfront" zur Herrenhausfrage ausgeführt, baß ich in der Gewährung eines Vorschlagsrechis allein eine der Würde des Judentums entsprechende Lösung finde, daß die Schaffung eines Vorschlagskörpers weder der erste und bedeutsame Schritt zur Zwangsorgarüsation sei, noch die Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums zu vergewaMgen brauche und vergewaltigen solle, ja daß die Schaffung eines Vorschlagskörpers die Bestrebungen auf Bildung einer Gesamtorganisation mehr retardieren als beschleunigen werde. Der „Israelit" nennt diese Ausführungen eigenartig, kühn und unlogisch. Ich will über die Form der Kritik Lein Wort verlieren und nur mich sachlich äußern: L Daß VorschlagsLörper und VertreLungsmachL miteinander nichts zu Lun haben, erweist das Beispiel der evangelischen Kirche, wo auch Vorschlagskörper und GefamtverLretung nicht zusammenfallen. 2. Der Vorwurf der Kühnheit und Unlogik baut sich auf Voraussetzungen auf, die nicht meine Voraussetzungen sind. Ich habe an einen Vorschlagskörper gedacht, der Leins Richtung vergewaltigen soll. Ich ging davon aus, daß in dem Vorschlagskörper beide Richtungen vertreten sind. 3. Ich bleibe dabei, daß, wenn ein Vorschlagskörper gebildet wirb, der Leine Richtung vergewaltigt. hieraus der Freien Vereinigung Lei der Lösung der GesamtorganisaLion Lein schädliches Präjudiz erwachsen Lann, eher ein förderliches. Ob bisher die Not der kleinen Gemeinden ein Ansporn gewesen ist, die GefamLorganisation zu betreiben, ist gleichgültig. Jedenfalls wird, wenn die Versagung eines Vorschlagsrechts auf dem Grunde beruht, daß wir weder GefamtverLretung noch Vorschlagskörper haben, dies ein Ansporn für die deutschen Juden sein, die Bildung einer Gesamtorganisation mit aller Energie zu betreiben. 4. Ich bin allerdings der Meinung. Laß es aller Parteiungen ungeachtet eine Einheit des Judentums gibt, zu der man sich bekennen kann, gleichviel ob man Liberal oder orthodox ist und daß die Spaltung in'Liberale und Orthodoxe der Einheit des Judentums sowenig Abbruch tut wie der Einheit anderer Religionsbekenntnisse oder wie die Spaltung in Liberale und Konservative der Einheit der Nation. . T)r, Eugen Fuchs.