Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 4 (April 1918)
- Article
- Zu Hermann Cohens Gedächtnis
- Date
- 1918-04-01
- Page
- 153 (sequence 5)
- Language
- German
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Zu Hermam! CohenS Äedächlnis sinnung hat er diesen Dienst am deutschen Geiste vollbracht. In seiner Denkerpersönlichkeit vereinten sich die besten Kräfte des deutschen Forschers. Die in die Tiefe dringende Gründlichkeit verband sich mit der Wärme des sittlichen Idealismus; in Ehrfurcht und Freiheit diente er der Wissenschaft. Das Deutschtum, zu dem er sich bekannte, war freilich kein Deutschtum nationalistischer Enge und Unfreiheit. Deutscher Geist war ihm der Geist weltoffener Menschlichkeit, der sich allem Reichtum der Geschichte willig erschließt. Nationalität und Humanität waren ihm die beiden notwendig zusammengehörenden Seiten desselben Ideals. In den Kulturgedanken des deutschen Idealismus verkörperte sich für ihn die Idee des Deutschtums, dem er mit aller Glut feines Empfindens verbunden war. Auch hier freilich war ihm der geistige Gehalt der Geschichte nicht ein fertiges Gut, das es bloß zu erhalten und auszubewahren galt. In schöpferischer Kraft hat er diese Kulturgedanken fortentwickelt und in die konkreten Fragen des sittlichen und politischen Lebens hincingeführt. In dem Menschheitsgedanken Kants gab er dem Sozialismus seine tiefste sittliche Begründung, die ihn aus der Dogmatik materialistischer Geschichtsauffassung zu befreien berufen ist. Erft zu geringem Teil hat diese Tat ihre geschichtliche Wirkung entfaltet. Sie hat in der wissenschaftlichen Neubgründung ds sozialistischen Ideals bereits begonnen, die deutsche Arbeiterbewegung aus ihrer sektenhaften Abgeschlossenheit herauszuführen und der Einheit des deutschen Geistes einzugliedern. Aber der eigentliche Kamps um die geistigen Kräfte, welche die Zukunft des keuschen Sozialismus bestimmen, liegt noch vor uns, und an seinem Ausgang hängt ein gut Teil der deutschen Zukunft. In der Geschichte des modernen Judentums wird Cohen stets als der unvergleichliche Führer fortleben. Alle Gaben des Geistes und der Persönlichkeit vereinten sich in ihm, um ihn zum Philosophen des Judentums, zum Kampfer für seine sittliche und religiöse Sendung zu machen. Dem Menschen war das Judentum die Heimat seiner Seele und blieb es, auch als er in allen Reichen des Geistes heimisch geworden war. Der Denker aber war durch tiefste Kongenialität mit den ewigen Grundgedanken jüdischer Frömmigkeit verbunden. Sein Gedanke der Sittlichkeit vollendete sich in dem Gottesgedanken, in dem Gott der messianischen Menschheit, der die sittliche Zukunft der Menschheit verbürgt und sichert. Den Gott der Sittlichkeit aber, zu dem ihn die philosophische Ethik führte, fand er wieder in dem Gottesgedanken des Judentums, den die Propheten Israels in unvergänglicher Reinheit und Tiefe entdeckt hatten. Der Urkraft ihres religiösen Genius hatte sich die sittliche und religiöse Wahrheit in lebendiger Unmittelbarkeit erschlosien. Die