Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 4 (April 1918)
- Article
- Zu Hermann Cohens Gedächtnis
- Date
- 1918-04-01
- Page
- 152 (sequence 4)
- Language
- German
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Im veuijäMi Reich ■m kritischen Philosophie errichtet, die er als die erzeugenden Bedingungen des Kantischen Philosophierens entdeckt hat. Das gleiche Verhältnis geschichtlicher und systematischer Arbeit, das sich in Cohens Stellung zu Kant offenbart, beherrscht den ganzen Umkreis seiner Forschung. Die geschichtliche Erforschung der Philosophie und die schöpferische Weiterbildung der Probleme durchdringen und fordern einander in lebendiger Wechselwirkung. Das System Cohens, das in seiner Freiheit und Selbständigkeit eine eigene, höchst bedeutende Gestalt des Philosophischen Idealismus darstellt, und auch da, wo man seinen .Ergebnissen nicht zu folgen vermag, durch die Tiefe der Untersuchung und die Energie der Gedankensührung die Einsicht in die Problems entscheidend vorwärtsbringt, entwickelt die eigenen Resultate Cohens in durchgängigem Zusammenhang mit der Geschichte der Probleme. Das Philosophieren Cohens stellt sich mit Bewußtsein in den Zusammenhang mit der - ganzen Geschichte der Problems, nicht um sich an ihre Resultate zu binden, sondern um die Fülle der Motive, die in der Geschichte der philosophischen Grundbegriffe wirksam sind, zur Entfaltung zu bringen. Die Geschichte der Philosophie hat von dem systematischen Denker Cohen in reichem Maße zurückempfangen, was sie ihm gegeben hat. Von den grundlegenden Einsichten des reifen erkenntniskritischen Idealismus aus ist ein völlig neues Licht auf die Denker gefallen, in denen die gleiche Richtung der Methode sich vorbereitete. Plato, Deseartes, Leibniz sind in der Tiefe der in ihnen arbeitenden Motive neu begriffen worden. In der Geschichte der Philosophie enthüllt sich so ein Zusammenhang der Problementwicklung, wie er der gewöhnlichen Geschichtsbetrachtung unerreichbar ist. Sie hört auf, als eine regellose Aufeinanderfolge geistvoller aber willkürlicher Welt- und Leöensdeutungen zu erscheinen, und erweist sich von der Kontinuität wissenschaftlicher Fortbildung der Probleme beherrscht- Was hat es gegenüber der neuen. Tiefe, in der hier die Geschichte der Philosophie begriffen wird, zu besagen, daß bei Cohen hinter den logischen Motiven die. Mannigfaltigkeit der mit ihnen zusammenwrrkenden Triebkräfte allzusehr zurücktritt, daß er die Denker, in denen er die Ahnen des kritischen Idealismus erkennt, in allsschließender Einseitigkeit in diesen Zusammenhang hineinstellt! Eine große Konzeption hat das Recht, einseitig zu sein. Die verhältnismäßig leichte und einfache Aufgabe, auch die anderen Seiten wieder zu ihrem Recht zu bringen, darf sie getrost anderen überlassen. Als eine nationale Angelegenheit des deutschen Geistes hat Cohen die Philosophie angesehen und war stolz darauf, der deutschen Gegenwart eines der höchsten Besitztümer des geistiger! Deutschland zurückgewonnen zu haben. In deutschester Ge-