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Im deutschen Reich · 1918-03-01 · Heft 3 (März 1918) · p. 119

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
24 (1918)
Issue
Heft 3 (März 1918)
Article
Berufswahl
Date
1918-03-01
Page
119 (sequence 2)
Language
German
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Berufswahl 119 mit einem Schlage Tausende von Existenzen lahmgelegt; es ist zu befürchten, daß die Gesetzgebung auch nach dem Kriege starke Einwirkungen jonf viele Gewerbe bringen wird. Insbesondere für unsere jüdischen Kriegsteilnehmer muß da Hilfe geschaffen werden, für alle, die in ihrem früheren Gewerbe keine Unterkunft mehr finden. Bei der Berufswahl für die Jugend gilt es zunächst zu ergründen^ wozu den einzelnen Lust und Begabung führt. Nicht jedes Kmd hat die geistigen Fähigkeiten zum Akademiker oder Kaufmann. Es wäre aber auch verkehrt, wenn man ein zum Studium begabtes Kind in einen anderen Stand pressen wollte. Vor allem hätten die Eltern die Pflicht, die Jugendbildner zu Rate zu ziehen, sie können objektiv in der Seele des Kindes lesen. Wie viele Kinder hätten zu irgendeinem anderen Berufe Vorliebe, die Eltern wünschen aber, ihren Sprößling zum Geschäftsnachfolger einzusetzen und fehen, oft zu spät, mit Schrecken ihren Irrtum ein. In vorgerückteren Jahren ist es schwer, den Beruf zu wechseln, in jungen Jahren dagegen wäre es ein leichtes gewesen, den Sohn dem Berufe zuzuführen, für den er Luft und Begabung hatte. Um aber in unseren Bestrebungen Erfolg zu haben, sollten die Juden sich der Gegenwart etwas mehr anpassen. Die Angestellten müssen mit den Familien ihrer Arbeitgeber in nähere Fühlung gebracht werden; dabei sollten solche Angestellte, die bei Nichtjuden ihr Brot suchen müssen, in jüdischen Vereinen nach des Tages Lasten Erholung finden können. Es ist ein Ding der Uitmoglichkeit, für unsere Jugend rein jüdische Lehrstellen zu schaffen. Es muß deshalb versucht werden, die Lehrlinge auch bei tüchtigen christlichen Meistern unterzubringen, gleichzeitig könnten aber auch Vorkehrungen getroffen werden, daß diese Kinder, welche rituell leben wollen, ihren Sitten und Gebräuchen nicht entfremdet werden. Solche Kinder können wohl bei christlichen Meistern in die Lehre treten, aber in jüdischen Familien untergebracht werden. Wenn wir eine bescheidene, wohlerzogene Jugend in christlichen Häusern zur Ausbildung unterbringen, werden wir überall Ehre einlegen. Sobald der Meister sieht, dcch sich der Lehrling bemüht, sein Bestes herzugeben, werden auch die Vorurteile gegen jüdische Lehrlinge schwinden, und es könnte dadurch am ehesten eine größere Nachfrage nach jüdischen Lehrlingen bewirkt werden. Viele christliche Lehrer sind mit den jüdischen Schulkindern sehr zufrieden, ja diese werden häufig durch Erteilung bester Zensuren ausgezeichnet. Wenn nun der junge Mann gut beraten ist und in seinem Meister einen Freund und Gönner findet, wird er auch ein tüchtiger Arbeiter werden, der es durch Fleiß, durch Umsicht und Nüchternheit zu einem ansehnlichen bürgerlichen Wohlstand bringen kann. Die Lehrlinge in richtige Hände zu bringen, das bedarf größter Sorgfalt/ Dem Vereine für „Berufswahl" sollten in erster Linie Geschäftsinhaber, im vollen Wirtschaftsleben stehend^ Männer, beitreten, die in Stadt und Land Verbindungen haben. Mit der schriftlichen Stellenvermittlung allein kann diese Aufgabe nicht ge-

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