Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 3 (März 1918)
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- Date
- 1918-03-01
- Page
- 120 (sequence 3)
- Language
- German
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120 Im deutschen Reich löst werden. Es müssen sich Männer dazu hergeben, die es als Ehrenpflicht betrachten, jüdische Lehrlinge in ihren Bekanntenkreisen unterzubringen. Auch tüchtige junge Landwirte anzusiedeln, würde viel leichter sein, als es sich die Allgemeinheit vorstellt. Die Landflucht würde dadurch eingedämmt werden. Es sollte Landwirten Gelegenheit geboten werden, sich in jüdischen Gemeinden aus dem Lande, durch Ankauf von Anwesen mit kleinerem Grundbesitz anzusiedeln. Gibt es doch in Deutschland genug Ortschaften, wo die jüdische Kultusgemeinde durch Wegzug vieler ihrer Mitglieder zusammenschmilzt. Ja, in vielen Ortschaften sind wohl noch die Gotteshäuser und Friedhöfe vorhanden, aber die Juden sind entweder gestorben oder in eine größere Stadt verzogen. An allen diesen Orten könnten sich jüdische Landwirte niederlasfen; nach einer Reihe von Jahren würde das alte Leben in diesen Landorteu wieder auferstanden sein. Um aber allen Fährlichkeiten, die das Leben an die Menschheit stellt, gewachsen zu sein, mutz der junge Mann hinaus in die Welt. Kommt dann die Zeit, wo der Mann eine Ehe einzugehen gedenkt, sollte er nur dort sein Heim gründen, wo schon eine jüdische Ansiedlung besteht, denn die Andersgläubigen kommen da den Juden aus alter Gewohnheit meistens mit Vertrauen entgegen. Dies große, schöne Werk der Berussumschichtung kann aber nur von Erfolg gekrönt sein, wenn unsere ganze Judenschaft aller Klassen wie ein bestgehendes Uhrwerk ineinandergreift. Auch müssen Mittel aufgebracht werden, die es ärmeren Knaben ermöglichen, eine Laufbahn einzuschlagen, für die sie Begabung zeigen. Der große Kampf üm das Sein oder Nichtsein des Judentums im Handwerkerstande und der Landwirtschaft muß ausgenommen werden. Durch äußerste Anstrengung und Ausdauer wird unsere Jugend es erreichen, in allen Berufszweigen mit Ehren vertreten zu sein zum eigenen Besten und zum Vorteil der Allgemeinheit. Julius Bloch-München. Humanität ist der Charakter unseres Geschlechts; er ist uns aber nur in Anlagen angeboren, und muß uns eigentlich angebildet werden» Wir bringen ihn nicht fertig auf die Welt mit; auf der Welt aber soll er das Ziel unseres Bestrebens, die Summe unserer Hebungen, unser Wert sein; denn eine Angelität im Menschen kennen wir nicht, und wenn der Dämon, der uns regiert, kein humaner Dämon ist, werden wir pl-agegeister der Menschen . . . Humanität ist der Schatz und die Ausbeute aller menschlichen Bemühungen, gleichsam die Aunst unseres Geschlechtes. Die Bildung zu ihr ist ein Werk, das unablässig fortgesetzt werden muß; oder wir sinken, höhere und niedere Stände, zur rohen Tierheit, zur Brutalität zurück. (Herder, Aus den Briefen zur Beförderung der Humanität.)