Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 3 (März 1918)
- Article
- Berufswahl
- Date
- 1918-03-01
- Page
- 118 (sequence 1)
- Language
- German
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118 Im deutschen Reich Aufruf! Während im Osten die Morgenröte des Friedens heraufdämmert, wollen unsere verblendeten westlichen Gegner die Hand zum Frieden noch nicht reichen. Sie wähnen noch immer, uns mit Waffengewalt zu Boden ringen zu können. Sie werden erkennen müssen, daß das deutsche Schwert die alte Schärfe besitzt, daß unser braves Heer unwiderstehlich im Angriff, unerschütterlich in der Verteidigung, niemals geschlagen werden kann. Von neuem ruft das Vaterland und fordert die Mittel von uns, die Schlagfertigkeit des Heeres auf der bisherigen stolzen Höhe zu halten. Wenn alle helfen, Stadt und Land, reich und arm, groß und klein, dann wird auch die 8. Kriegsanleihe sich würdig den bisherigen Geldsiegen anreihen, dann wird sie wiederum werden zu einer echten rechten deutschen Volksanleihe. Berufswahl. Es ist eine bekannte, immer wiederkehrende Erscheinung, daß die Weisheit der Menschen versucht, für die gegenwärtigen und kommenden Geschlechter Vorsehung zu spielen. Größtenteils werden aber derartig gute Absichten verkannt oder scheitern an althergebrachten Sitten oder Vorurteilen. Im vergangenen Jahre tagte im Vereinslokale der Münchener Loge auf Anregung des „Central-Vereins Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens", Ortsgruppe München, eine Versammlung jüdischer Männer aus verschiedenen Berufen, um auch hier einen Verein für Berufswahl zu gründen. Herr Rechtsanwalt vr. Baum, Berlin, hatte die Freundlichkeit, den zahlreich versammelten Interessenten in einem Vortrag den Segen der Berufsberatung vor Augen zu führen, und es ist freudig zu begrüßen, daß die anregenden Darlegungen auf fruchtbaren Boden fielen. Für München ist darauf eine Berufsberatungsstelle (Leiter: Herr vr. Eugen Neustädter) begründet worden. Gilt es doch, die engen Bande unseres Erwerbslebens endlich zu sprengen und die jüdische Jugend Berufen zuzusühren, in die sie bisher nur in ganz vereinzelten Fällen gelangte. Jeder Beruf des Mannes ist edel und gut, wenn er der Menschheit zum Nutzen dient. Wer in manchen Kreisen ist die Meinung vorherrschend, daß der Wert des Mannes nach seinem Einkommen oder auch nach seiner „Stellung" im öffentlichen Leben eingeschätzt wird. Da heißt es nun, das Uebel bei der Wurzel zu fasten, nicht nur mit Rat einzugreifen, sondern auch mit vorbildlichen Taten. Es sollten von gutsituierten Familien Beispiele geschaffen werden, die den weniger begüterten als Leuchte dienen könnten, deshalb müssen aus allen Klaffen junge jüdische Männer dem Handwerkerstande und der Landwirtschaft zugeführt werden. Der Krieg trägt auch dazu bei, in der Berufswahl etwas vorsichtiger zu machen. Durch viele gesetzliche Maßnahmen wurden