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Im deutschen Reich · 1918-03-01 · Heft 3 (März 1918) · p. 110

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
24 (1918)
Issue
Heft 3 (März 1918)
Article
[Ohne Titel] / J. Sch.
Date
1918-03-01
Page
110 (sequence 5)
Language
German
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IRI
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110 Im deutschen Reich Mittelmächte mit der Ukraine, deren Vertreter von Trotzki nicht anerkannt wurden, trieb den Volkskommissar, der sich in einer Sackgasse sah, zu dem verblüffenden Ausweg: Beendigung des Kriegszustandes, Demobilisierung der russischen Front, aber keinen Friedensvertrag! Ein völkerrechtlich unmöglicher Zustand, der noch wirrer wurde, als die Fronttruppen zu Kämpfen und zur Unterdrückung in den friedlichen Randgebieten benutzt wurden, um sie zwangsweise zur Bolschewikiherrschaft zu bekehren. Der Waffenstillstand, der nur zum Zwecke eines Friedensabschlusses bewilligt worden war, fand automatisch fein Ende, und Deutschland wandte nun das Erlkönigwort an: „Und bist du nicht willig, so brauch' ich Gewalt." Die Deutschen rückten weiter ins Innere Rußlands vor (auch in die hilfeheischende Ukraine), Gefangene und riesenhafte Beute fielen in unsere Hände, Petersburg fühlte sich bedroht. Von neuem wurde von der Regierung Lenins um Friedensverhandlungen gebeten, ein Ultimatum, schärfer und weitgreifender als die ursprünglichen Friedensbedingungen, wurde sofort angenommen, und noch rascher, als das Ultimatum es forderte, ward an derselben Stelle, an der vorher die russischen Delegierten ihr erfolgloses Spiel getrieben hatten, der Friedensvertrag unterzeichnet. Ein Friedensvertrag mit Anklage und Protest des Unterlegenen! Selten endet ein Krieg anders. Der Krieg ist rauh und ein Unterdrücker milder Gefühle. Dennoch hätte er im Osten versöhnlicher enden können; die Sieger waren dazu bereit gewesen. Nun jedoch müßte es Aufgabe der deutschen Regierung und der Diplomatie sein, den Wagen wieder aufs Gleis der Bismarckschen Politik zu leiten. Noch herrscht in Rußland das Chaos, und man weiß nicht, welche Regierung der jetzigen, aus der der geistig bedeutende Trotzki schon ausgeschieden ist, folgen wird; jedoch aller menschlichen Voraussicht nach ist der Knutenabsolutismus der Romanows zunächst abgetan. Wir werden es, so hoffen wir, mit einem freiheitlicheren Rußland zu tun haben. Rußland ist jetzt ungefähr auf die Grenzen zurückgedrückt, die es zu Beginn der Regierung Peters des Großen hatte. Es kann um so leichter im Innern Ordnung schaffen, wirtschaftlich erstarken und ein kraftvoller, einheitlicher Staatskörper werden, desien Freundschaft jedem erwünscht sein muß. Schwere Aufgaben harren unserer Diplomatie auch in den Randgebieten, die sich jetzt von Rußland lösen und selbständige Staaten werden wollen. Sie bilden einen Gürtel, der sich zwischen uns und „Großrußland" schiebt, das nicht mehr unser unmittelbarer Nachbar ist. Aber der Schutzgürtel kann ein Stachelgürtel werden. Diese Randstaaten können

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