Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 3 (März 1918)
- Article
- [Ohne Titel] / J. Sch.
- Date
- 1918-03-01
- Page
- 109 (sequence 4)
- Language
- German
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: :Umschau IDO; Der Friedensvertrag mit Rußland ist am 3. März unterzeichnet' worden. Der Streit darüber, ob es ein Macht- oder Verständigungsfrieden ist, darf gegenüber , der vollendeten Tatsache als unfruchtbar gelten. Daß im Osten die Kriegsstürme, die nahezu dreidreiviertel Jahre verheerend gewütet haben, dem Frieden gewichen sind, ist Glückes genug und Grund genug zu Freude und inniger Dankbarkeit. Mag auch einstweilen noch keine Warme Sommersonne von drüben auf uns scheinen, mögen krause und ärgerliche Wolken über die Rusfenstirn fliegen -— des Winters Macht, die alles Lebendige in Starrheit gefesselt und vernichtet hatte, ist gebrochen, dem Frühling öffnen sich die Fluren, bereit, neue Saat zu empfangen und Früchte zur Reife zu bringen. Möchten es Früchte eines wirklichen Dauerfriedens sein! Die Politik Bismarcks, die stets auf Freundschaft mit Rußland eingestellt war, ist bei diesem Friedensschluß verlassen worden. Das mußte wohl geschehen, nachdem die Vertreter der Mittelmächte acht Wochen lang in Brest-Litowsk größtmögliches Entgegenkommen und anerkennenswerte Geduld. gezeigt hatten. Es wäre schöner gewesen, wenn der Friedensabschluß auf dem gegenseitigen Wunsch, von nun an in Frieden und Freundschaft zu leben, gegründet worden wäre. Der Vertrag enthält wohl am Eingang diese Worte; aber die Erklärung des russischen Vertreters in Brest ließ keinen Zweifel aufkommen, daß seine Regierung den Vertrag als Demütigung empfindet und ihn nur aus Not und Zwang unterzeichnet. Mag inan diese Wendung auch bedauern, die Schuld hierfür liegt bei der russischen Regierung selbst. Würde Rußland gesiegt haben, es wäre mit Deutschland noch ganz anders umgesprungen. Allerdings, die absolutistische, mitleidlose Gewaltregierung des Zaren ist beseitigt; aber auch die „provisorische Regierung" Kerenskis hatte den Krieg fortgesetzt und Hunderttausende in den Tod getrieben, trotz ihrer Versicherung, daß sie so rasch als möglich einen allgemeinen Frieden herbeiführen wolle. Erst die ebenfalls unter Stürmen der Revolution ans Steuer gelangte Regierung der Lenin und Trotzki hat mit der Herbeiführung des Friedens Ernst gemacht; sie veröffentlichte die geheimen Dokumente der bisherigen Verbündeten Rußlands, .sie ließ es aus einen.Bruch mit den Alliierten ankommen, sie fetzte sich an den Verhandlungstisch. Jedoch fanatische Schwärmerei, weltfremde theoretische Verranntheit, falsche Hoffnungen aus die Möglichkeit, in Deutschland und Oesterreich die gleiche Reoolutionierung herbeizuführen wie in Rußland, verleiteten sie dazu, die Brester Besprechungen hinzuziehen und die von ihnen erlangte Öffentlichkeit der Friedensverhandlungen als Weltfprachrohr für ihre Ideen zu benutzen. Der Frieden der