Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 3 (März 1918)
- Article
- Antisemitismus und Religion
- Date
- 1918-03-01
- Page
- 100 (sequence 4)
- Language
- German
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-IDO ' - Zur deutschen Reich ist, wirkt er verbitternd, und der Haß erweckt einen Widerhall, der genau in derselben Tonart erklingt. Hierin liegen auch die tiefsten Wurzeln für die jüdischnationale Bewegung unserer Tage, die im Abschluß der Juden und der Kulturtrennung das Heil erblickt. Auf schwache Charaktere aber, auf solche, denen die Religion kein inneres Erlebnis, sondern nur der Zufall der Geburt ist, die also den inneren Trieb zum Widerstande ebensowenig empfinden wie die Ueberzeugung von der Wahrheit und der Notwendigkeit der Religion überhaupt, wird der Judenhaß zum Quell des Abfalles. Die Gefahr dieses Abfalles bedroht gewiß auch die Religion, die von den Abtrünnigen verlassen wird, obwohl die Minderung an Zahl fast gänzlich durch die mit dem Ausscheiden unzuverlässiger Elemente verbundene innere Erstarkung ausgeglichen wird. Die eigentliche Gefahr ergibt sich aber für die neue Religion, der sich der Renegat ohne ernsten Glauben, ohne Ueberzeugung von der Richtigkeit ihrer Dogmen und ohne Ehrfurcht vor der Größe ihrer Offenbarungen zuwendet. Denn die menschliche Eitelkeit und Schwäche lassen einen jeden Renegaten, der sich auf dem ungewohnten Boden ganz unsicher fühlt, den Wunsch empfinden, durch recht eifrige Betätigung in dem neugewonnenen Kreise die Aufrichtigkeit seiner Bekehrung zu erweisen. Daß die Tätigkeit solcher aus äußeren Gründen übergetretenen Elemente für eine Religion von keinem Vorteil sein kann, braucht nicht lange bewiesen zu werden. Und eine jede Konfession — mag auch diese Sorge uns Juden nicht sonderlich drücken — schädigt sich und ihre Arbeiten selber, wenn sie ihre Pforte weit öffnet, ohne die Ueberzeugung und die sonstigen Gesinnungen des neuen Bruders genau zu prüfen. Besonders aus den positiven Kreisen der evangelischen Landeskirche Preußens ist nur zu oft über den destruktiven Einfluß geklagt worden, den die dort in Massen vorhandenen Taufjuden überall ausüben, wo sie sich betätigend Damit sind aber die Nachteile nicht erschöpft. Es darf nicht übersehen werden, daß das schlechte Beispiel für die allgemeine Stellung der Religion im Staate keineswegs günstig ist. Für die großen Massen der Bevölkerung bedeutet dieses Spielen und Feilschen mit der religiösen Ueberzeugung ein Untergraben der religiösen Moral, und damit übt auf einem Umwegs, der aber klar erkennbar ist, der Antisemitismus, der den Abfall hervorruft, einen bedauerlichen Einfluß aus die festeste und gesündeste Stütze des Staates, auf die im Herzen des Volkes wurzelnde Religion aus. Es gibt einen durch keinerlei äußere Verbindung gekennzeichneten, aber doch vorhandenen seelisch empfundenen Bund der innerlich religiösen Elemente eines Volkes, der sich trotz aller konfessionellen Differenzen über die positiv gerichteten Elemente aller Glaubensgemeinschaften erstreckt, einen Bund, der nicht durch konkrete Uebereinstimmungen in Glau-