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Im deutschen Reich · 1918-03-01 · Heft 3 (März 1918) · p. 99

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
24 (1918)
Issue
Heft 3 (März 1918)
Article
Antisemitismus und Religion
Date
1918-03-01
Page
99 (sequence 3)
Language
German
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Antisemitismus und Religion mu^bringt der Antisemitismus auf diese Weise eine fühlbare Hemmung, da er die erforderliche Uebereinstimmung von Beruf und Eignung stört. Und will man sich genauer mit der sozialen Struktur des deutschen Volkslebens befassen, so findet man noch viele andere Schäden, die von oberflächlichen Beobachtern auf den bewußten Willen der Judenheit zurückgeführt werden, die aber in Wahrheit entweder eine direkte Folge antisemitischer Taktik sind oder zum mindesten Reaktionserscheinungen, die sie fast mechanisch hervorruft. Weit wichtiger nun als diese äußerlichen Unstimmigkeiten, die der Antisemitismus mit sich bringt, sind seine Einflüsse aus die allgemeine religiöse Entwicklung. Nicht von jeder Spielart des Antisemitismus — und es gibt deren viele — kann das in gleichem Maße behauptet werden. Gerade der jetzt herrschende R a s s e n a n t i s e m i t i s m u s ist aber für das religiöse Bewußtsein von so unverkennbarer Wirkung, daß die Folgen sich auch äußerlich in einer beachtenswerten Stellung vieler judenfeindlicher Kreise zur Religion an sich fühlbar zu machen beginnen. Es sei hier weniger auf das allgemeine ethische Moment der Wert gelegt, denn nicht nur von jeder wie auch immer gearteten Schattierung des Antisemitismus, sondern von allen Bewegungen, die einen Kampf der Vernichtung, der Unterdrückung und Entrechtung führen, ohne daß die sittliche Minderwertigkeit des Angefeindeten und die Unmöglichkeit einer Besserung durchaus dazu zwingen, gilt fraglos, daß sie gegen den Geist jeder Religion sich versündigen. Wenn Liebe und Versöhnung die obersten Ziele religiöser Betätigung sein sollen, so steht natürlich die verhetzende Tätigkeit derer, die den inneren Unfrieden im Volke nähren, in einem starken Gegensatz zu ihrem Wollen, der auch auf die Seele des Individuums seinen Einfluß ausüben muß. Haß ist und bleibt Haß, selbst wenn man für ihn einen noch so schönen Namen erfindet, und daß er auf die Seele seines Trägers wirken, daß er seinem Denken und Handeln auch auf anderen Gebieten des Lebens das Gepräge aufdrücken wird, braucht kaum hervorgehoben zu werden. So arbeitet schon in den allgemeinsten Zügen derAntisemitismus den Bestrebungen der Religion entgegen, selbst wenn er sich, was ja in früheren Zeiten nicht selten zu verzeichnen war, in ihr Gewand kleidet und in ihrem Namen spricht. Der Antisemitismus ist für die von ihm angegriffenen Ju- ‘ den nicht immer von gleicher Wirkung. Bei tiefer veranlagten, seelisch abgeklärten Staturen erweckt er die edelsten Triebe der Seele. In ihnen läßt er Nächstenliebe, tiefstes Gottvertrauen, Widerstandskraft und edelsten Menschenstolz emtzorblühen; bei religiös oberflächliche veranlagten Naturen, deren Moral gesund

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