Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1918-03-01 · Heft 3 (März 1918) · p. None

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
24 (1918)
Issue
Heft 3 (März 1918)
Date
1918-03-01
Page
None (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2316602-2316876-2316879--28331-2353793
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

9 Jnstizrat Dr. Auznitzkv: Hochverehrte Anwesende! Nicht minder ia'ls die beiden großen Verbände, an deren Spitze sich Maximilrart Horwitz nnvergänglichen Ruhm erworben hat, beklagt die Großlogs Ü. O. B. B. in tiefer Wehmut den Heimgang dieses herrlichen Mannest Zwar hat der uns allen so früh entrissene Freund nicht im Vordergrund der Logenorganisation gestanden — das wäre über seine Kraft 'hinausgegangen — aber dennoch hat er durch seine mit heißem Bemühen um die Ehre, das Ansehen und die Gleichberechtigung der Judenheit vollbrachte Lebensarbeit zugleich die Ordensbestrebungen in so hohem Maße gefördert, daß er als ein geistiger Führer unseres Bundes gelten darf. Denn mögen auch die beiden Körperschaften, deren Leitung ihm anvertraut war, getrennt von unserem Orden marschieren, sie kämpfen doch allesamt in enger Fühlung miteinander für die Erlösung des Judentums und steuern, demselben Ziele zu, das große Humanitätsideal der Gleichheit und Brüderlichkeit zum Siege zu führen über die Mächte der Finsternis, über Unduldsamkeit und Vorurteil, über Unrecht Und Barbarei. In klarer Erkenntnis dieser Zusammenhänge und des Wesens unserer Bewegung hat sich der Entschlafene auch in unsere Reihen gestellt und mit uns fruchtbare Arbeit geleistet, soweit es! seine Kräfte Uur irgend gestatteten. Wir verdanken ihm manchen zündenden Vortrag, viele treffliche Anregungen und wertvolle Ratschläge in bedeutsamen Fragen. Vor allem aber haben wir ihm für das warme Interesse zu danken., das er ungeachtet seiner vielseitigen Betätigung jederzeit unserer Sache bewiesen hat, und wir sind stolz darauf, daß dieser glühende Vorkämpfer für die höchsten Güter der Menschheit unserer Brüderschaft mit Herz und Hand angehört hat. Es liegt mir fern, noch einmal sein Lebensbild anfzurollen, das schon' aus berufenstem Munde so lichtvoll Largestellt worden ist. Nur nach einer einzigen Richtung hin möchte ich es im Geiste der Ordenstendenz mit wenigen Strichen ergänzen. Im Rahmen unserer Aufgaben sind wir vornehmlich bedacht, unsere Glaubensgenossen durch kulturelle, geistige und sittliche Förderung zu den Höhen idealer Lebensauffassung emporzuheben, und weisen dabei besonders aus das Beispiel von Männern hin, die durch reinen Lebenswandel und sittlichen Ernst, geistige Schöpferkraft und furchtloses, freimütiges Eintreten für die Menschenrechte der Juden die breite Masse weit überragen. In diesem Sinne verehrten wir Maximilian Horwitz als einen lebendigen Träger des Ordensgedankens und vorbildlichen Erzieher und Lehrer unseres Stammes. Denn ob man sein rein menschliches Tun und Lassen, seine berufliche oder öffentliche Wirksamkeit ins Auge faßt, immer und überall erscheint er uns im strahlenden Schimmer einer durch, die Heiligung ihres Lebens zur höchsten Menschenwürde aufgestiegenenen Persönlichkeit. Sein Haus — ein Tempel echter Gartenliebe, durchweht vom Geiste feinster Kultur, eine Pflegestätte alles Guten und Schönen, im Frieder: eines tiefen Familien glucks. Im Beruf — eine hohe Zierde seines Standes, ein treuer Diener der Gerechtigkeit, ein vornehmer und meisterhafter Anwalt der ihm anvertrauten Interessen. Und im öffentlichen Leben — um es mit einem einzigen Worte zu sagen — ein begeisterter, unermüdlicher Streiter für Wahrheit und Recht, Glauben und Heimat, ein Herold, der die deutschen Juden aus ihrer Lethargie: ausgerüitelt und mit stolzem Selöstbewußtsein erfüllt hat. — Im Glanze dieses Wesens wird seine Jdealgestalt von der Dankbarkeit und Bewunderung der Mitmenschen über die Erdentage weit hinaus-, getragen und fließt hinüber in die reinen Formen der Unsterblichkeit. Denn: .„Wer den Besten seiner Zeit genug .getan, der hat gelebt für alle Zeiten." So 'wollen wir das Andenken dieses wahrhaft adligen Mannes nicht in die dunklen Tiefen hinabsinken lassen, sondern liebevoll in unseren Herzen bewahren und künftigen Geschlechtern überliefern. Sein

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.