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Im deutschen Reich · 1918-03-01 · Heft 3 (März 1918) · p. None

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
24 (1918)
Issue
Heft 3 (März 1918)
Date
1918-03-01
Page
None (sequence 6)
Language
German
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— 6 ätnB dessen erinnerten, wie man uris ziwief, wir sollten uns nützlicherem Beschäftigung zuwenden, nicht die jüdische Sache schädigen und uns um unsere Anwalts geschäste kümmern, so haben wir wohl lächelnd der vergangenen Stürme gedacht. Als sie aber tobten, hat uns häufig der Zorn übermannt, uns die Blutrote der Scham ins Gesicht getrieben. Mit eiserner Hand hat er damals in den turbulenten Versammlungen die Zügel geführt und mit der Scharfe seiner Rede die Böswilligen, gegeißelt, die Zaghaften ans gerüttelt. Er hatte 'die nimmertrügende Hoffnung, daß Wahrheit und Gerechtigkeit sich durchsetzen und daß; ehrlicher Kampf und nie ermüdende Arbeit nicht vergeblich sein würden.: Wir haben den Verein aufgebaut auf Grundsätzen, die dem innersten Wesen seiner Eigenart, seiner frohen Kampfnatur, seinem mannhaften Selöstbewnßtsein, seinem warmen Sinn für Recht und Gerechtigkeitseiner durch und durch gesunden, demokratischen Gesinnung entsprachen. Nicht Schützlinge anderer wollen wir fein, sondern selber wollen wir für uns kämpfen: nicht einer und wenige, sondern alle deutschen Juden sollen es sein, gleichgiltig, welcher politischen Partei und welcher religiösen Richtung sie angehören. Als vor 100 Jahren der korsische Eroberer die deutsche Nation knechtete und sie um ihre Befreiung rang, da hat Fichte ihr das befreiende Wort Zugerufen, daß kein Mensch und kein Gott und keins von allen im Gebiete der Möglichkeit liegenden Ereignisse uns helfen kann, sondern daß wir uns selber Helsen müssen, falls uns geholfen werden soll. Und geholfen konnte uns nur werden, wenn der Verein auf demokratische Grundlage gestellt,- jeder Einzelne zur Mitarbeit in dem uns auf gedrung enen Kampfe für die Gleichberechtigung der Jndenheit und die GleichbewerLung des Judentums herangezogen würde. Denn Recht und Freiheit müssen erkämpft und errungen werden,- sie sind nicht Angebinde, die einem! mühelos in den Schoß fallen. Die Lilie ans dem Felde, die nicht arbeitet und spinnt und doch wächst,- der Vogel unter dem Himmel,- der nicht sät und nicht erntet, und den unser himmlischer Vater doch ernährt, sind nicht Symbole unserer Religion, und deshalb mahnte er die deutschen Juden, mir dem Ems atz von Schweiß und Herzblut um ihr Recht zu kämpfen. Er war der Kämpfer für unser Recht; aber ihm sagte «auch die laute Stimme seines Gewissens, daß es im öffentlichen Leben Rechte ohne Pflichten nicht gibt, daß die Abwehr kämpfe für unser Recht nur mit den Waffen des Geistes geschlagen werden!, können, daß Abwehr Wissen verlangt, Treue, Selbstbewusstsein und Selbstzucht. So waren die Ab wehrkämpfe die Quelle, an der unsere Jndenheit gesundete. Und so wuchs der E-entralverein aus einer rein negativen Äüwehrtätigkeit Zu einer positiven innerlichen Wiederbelebung des Judentums heraus. -,Seid stolz und treu in der Eigenart," so hatte es vor wenigen Jahren unser Kaiser den deutschen Stämmen zu gerufen- und so wurde er es ein Viertels ahrhnndert nicht müde, unfern Glau--? bensgenossen zuZurnsen: treu sein dem Vaterlande und der Glaubensgemeinschaft, aus harren da, wo uns nach den Worten unseres größten deutschen Geistesheros mehr das Schicksal als unsere Wahl hingestellt hat. Stolz sein in der Eigenart, die Väter nicht verleugnen,- weil es höchster Seelenadel ist, der Väter gerne zu gedenken, nicht restlos in der Umwelt aufgehen, dem Neuen sich nicht verschließen, aber das Alte nicht preisgeben, mit geheiligtem Brauch des Vaterhauses? nicht brechen. Nicht Assimilation, sondern Renaissance des. Judentums! Aich anpasseu an Las, was die Stunde verlangt, aber unverbrüchlich festhalteu an dem, was Ehre und Pflicht, Treue und StiK' gebieten. Diesen Grundsätzen verdanken wir es, Laß der CenLralverein alle deutschen Juden umfaßte, ein neutraler Boden für alle wurde, gleichgültig, ob sie recht-, frei- oder gar ungläubig waren. Obwohl Horwitz selbst in religiöser Beziehung auf der äußersten Seite des? Liberalismus standso hatte? er volleis Empfinden für die Bedürfnisse

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