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Im deutschen Reich · 1918-03-01 · Heft 3 (März 1918) · p. None

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
24 (1918)
Issue
Heft 3 (März 1918)
Date
1918-03-01
Page
None (sequence 5)
Language
German
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3 Zerr kennen gelernt/ als ich inr Jahre 1884 in die Zivilkammer alZ Hilssrichter eintrat, in der er Referendar war. Wir hatten aneinander Gefallen gefunden, und als ich an das Amtsgericht als Grundbuchrichter kam, ließ er sich mir als Referendar Mr Ausbildung überweisen/ um ihn in die Mysterien des Grundbuchrechts einzuweihen. Unsere Freundschaft, die wir damals geschlossen hatten, übertrug sich auch auf unsere Familien. Wir hatten Gelegenheit, in seinem Haus zu Verkehren, das die geistesverwandte, sürsorgende, tatkräftige, kunstsinnige Gattin zu einem Hause geschaffen hat, aus dem er Lebenskraft unh Lebens glück zog. Eine sonnige, beglückende Tochter, ein hoffnungsvoller -Sohn vereinigten sich, die Eltern zu beglücken und ein Haus zu schaffen, auf dem Gottes unsichtbare Gnade sichtbar waltete.' In treuer Pflichterfüllung lag er seinem Berufe als Anwalt ob, als getreuer Gatte und Vater gab er den Seinen die Liebe und Zärtlichkeit wieder, mit der sie ihn beglückten. In das öffentliche Leben trat er im Jahre 1893 ein. Damals; feierte noch in deutschen Landen die antisemitische Bewegung Orgien. Sie bedrohte den Rechtssrieden der deutschen Juden, sie lästerte unsere Religion, sie terrorisierte die Regierung. Sie ging darauf aus, den Juden die beschworene Verfassung zu brechen und sie befleckte damit das Vaterland. Sie fand die Juden unorganisiert, zum Teil resigniert und, was noch schlimmer war, indifferent. Das Lazarussche Dezember- Komitee, der Gneist-Rickertsche Abwehrverein, das James-Simon-Nathan- Komitee taten ihr Bestes, um in Wort und Schrift, in Rat und Tat der Bewegung entgegenzutreten. Aber es fehlte die Zusammenfassung der Juden, der Gedanke der Gesamtheit, die, um das Fichtesche Wort zu .gebrauchen, in allen seinen einzelnen Gliedern getrieben und belebt ist durch dieselbe eine Angelegenheit, der Gedanke, der Mut und Hoffnung bringt in die Zerschlagenen, um sie über die Stunde der größten. Bedrängnis leicht und sanft hinüberzugleiten. Da erging Raphael Löwenfelds Mahnung an die deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens, selbst ihr Schicksal in die Hand zu nehmen. Der Centralvereiu deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens wurde gegründet. Selbstverteidigung im vollen Lichte der Öffentlichkeit war seine Losung. Ich war in dem vorbereitenden Komitee und statte Gleichgesinnte zu werben. Mein erster Gedanke war Horwitz. Es sind fast 25 Jahre her, .aber noch heute ist mir lebendig vor Augen,- als wäre es gestern gewesen, der Augenblick — wir haben später darüber oft gesprochen >— wo -ich vor dem Anwaltszimmer des Kammergerichts ihn fragte, ob er denn nicht zu uns kommen wolle. Erst lächelte er,- weil er glaubte, er handele sich um einen Verein gläubiger Juden und die Zugehörigkeit zu einem Verein religiöser, konfessioneller oder gar strenggläubiger Observanz ihm mit seiner Weltanschauung, insbesondere Mit seiner Stellung zur Religion nicht vereinbar erschient Aber ein Blick in den Aufruf und ein kurzes Wort des Hinweisesdaß es ^Ehrenpflicht für jeden aufrechten Deutschen sei, für die unterdrückte Glaubensgemeinschaft einzutreten, um ihrer und des Vaterlandes wegen genügte, um ihn zu den Unfern zu machen. Schon als im nächsten Jahre der erste Vorsitz durch Martin Mendelsohns Weggang erledigt war, wurde er unser Führer. Von da ab hat er den Verein durch die Fährnisse und Krankheiten der Kindheit aus die Höhe gebracht, auf per er sich heute befindet. Er wurde der Führer im Kampfe für unser Recht, der Anwalt unserer Interessen, der Wächter unserer Pflichterfüllung. Das war ein Stück schwerer geistiger und körperlicher Arbeit. Wenn wir uns später znrückerinnerten an jene ersten Jahre, lwo von allen Seiten Schwierigkeiten auf mns einstürmten: der Haß unserer Gegner, der Jndisserentismus unserer Brüderder Warnruf der Zaghaften und Schwachmütigen, die uns zuriesen, wir sollen picht Staub aufwirbeln und die Gegner nicht reizen, wenn wir

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