Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1918)
- Article
- [Ohne Titel] / J. Sch.
- Date
- 1918-02-01
- Page
- 76 (sequence 6)
- Language
- German
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76 Im Deukschen Reicht deutsch nennen?) Einspruch erhoben. Sie findet, „die 'Gleich» öildung, ,,alldeutsch" Md „alljüdisch" enthält eine Herabwürdigung des edlen Wortes „Alldeutsch" und in gewissem! Sinns damit auch der Richtung, die es kennzeichnet". Der Herr trifft den Kern der Sache, aber er kennt jedenfalls nicht die Triebfeder Zn der Erfindung der Bezeichnung „AlljLdisch". Er schlägt dafür die Bezeichnung „pansemitisch" oder „bloßjüdisch« vor. „Pansemitisch" gefällt ihm jedoch besser: denn es sei die wort- und sinngetreue Aebersetzung von „alljüdisch" und bringe als Fremdwort schon zum Ausdruck, „Laß es eins Richtung bezeichnen will, die dem deutschen Volke wesensfremd' ist und seinem Wohle Eintrag tun muß". Die „Deutsche Zeitung" will jedoch von dem Vorschlag nichts wissen. Alldeutsch — Alljüdisch, hier scheiden sich, so schreibt sie, die Geister. Diese beiden Worte „bezeichnen die tiefe Kluft, die durch unser Volk geht; sie sagen jedem, auch dem harmlosesten Deutschen, was gemeint ist, während die Fremdworts „Pansemitismus, Neuorientierung, Parlamentarismus, Demokritisierung" usw. dem einfachen Wanne gar nichts sagan Donnen, für die Mehrzahl der andern aber das Wesentliche! verdunkeln und verwischen". Nachtigall, ich hör dir laufen, würde Onkel Bräfig sagen. Es war von dem Blatt sehr unvorsichtig, von dem Wort „Pansemitismus" abzuspringen aus die Worte: Neuorientierung, Parlamentarismus, Demokratisierung. Es verrät ja, was hinter der Iudenhetze versteckt werden soll: die Feindschaft gegen den Fortschritt im Innern, gegen die versprochene Neueinrichtung, die dem' Tüchtigen, ohne nach 'Geld, Erbadel und Konfession zu fragen, freie Bahn schaffen! will. Es verrät das Bestreben, das deutsche Volk in seinen Politischen Rechten niederzuhalten. Daß hier eine der Wurzeln der alldeutschen Iudenhetze liegt, ist bekannt, aber es ist doch gut, daß die alldeutsche Nachtigall das öffentliche Geheimnis hinausgeflötet hat. Die Alldeutschen wollen von nun an jedem« politischen Gegner, ob Jude, oder Christ, Parteimann oder Regierungsvertreter, den gelben Ring auf deu Mantel heften. Es dürste ihnen bald der Zwirn hierzu ausgehen oder die Nadel ihnen aus der Hand geschlagen werden. Deutschland ist kein Tollhaus und will wenigstens im schwersten seinW» Kriege nicht von gefährlichen Narren belästigt werden. * * * Der sächsische Wahlkreis Bnutzen-Kamenz, der bisher stets antisemitisch, zuletzt vom Abg. Gräfe im Reichstag vertreten worden war, ist den Antisemiten entrissen worden. Sie dürfen sich hierfür bei ihren nächsten Freunden, den Konservativen, bedanken. Bisher haben die Parteien bei