Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1918)
- Article
- Die Juden und der moderne Kapitalismus
- Date
- 1918-02-01
- Page
- 69 (sequence 4)
- Language
- German
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Die FubM ML der tnodernL KcchiLaliZmuF. 69 Wo aber tiefe besonderen geschichtlichen Verhältnisse weggefallen sind, da hat sich gleich auch Lebensauffassung und Beruf der Juden geändert. Gegenüber Sombarts Behauptung, sie seien die geborenen Verkünder des Fortschritts, meint Lrentchno, leider pflegten sie das nur so lange zu sein, als ge unterdrückt seien. Er verweist auf Beispiele aus der Geschichte und schließt umgekehrt, wo immer die Juden in ihrem Berufe geschützt wo ihre GleichoerechLigung mit den übrigen GesellschafrLklassrn anerkannt und ihnen damit die Laufbahn innerhalb der bestehenden Ordnung geöffnet sei, seien sie vermöge ihrer Besitzfreudigkeit, ihrer Zielstrebigkeit und ihrer Eitelkeit geborene Konservative. Im Hinblick auf die „Warannen in unserer Bejcrmtenschaft" prophezeit er: „Man öffne ihnen nur die Tore Md es wird allenthalben auß Dem radikalen Disraeli ein konservativer Lord Deaconssield." Nicht feine Veranlagung,- sondern seine Schick s ale hab e n den I u den zum Vertreter u n d Förderer des kapitalistischen Geistes gemacht. Das ist die Quintessenz von Brentanos Ergebnissen. And diese haben in neuester Zeit noch eine ganz unerwartete Stütze bekommen. Auch Sombart bekennt sich nämlichjetzt dazu und hat jene Darstellung, die er 1911 in seinem „großen Juden buch" gegeben hat, teils ausdrücklich, teils stills ch weigerrd zu rück ge« n o m m en. Er hat ja seitdem sein großes Thema, das Problem der Entstehung des kapitalistischen Geistes, noch vielfach verfolg^ insbesondere in dem 1913 erschienenen Buche „Der Bourgeois^ und nun, 1916, seinen Studien einen vorläufigen Abschluß gegeben in der zweiten Auflage seines großen Werkes „Der moderne Kapitalismus". 1902 war die erste Auflage erschienen, erst nach 14 Jahren kommt das Buch, wieder, aber in jeder Weise verändert. Behauptungen, die der wandlungsfreudige Forscher früher mit großer Sicherheit und mit starkem Nachdruck ausgesprochen hatte, sind nun verschwunden oder stark iabgeschwacht. So hat er ganz besonders in bezug auf Juden und- Judentum umgelernt. Auf mehr als neunhundert Seiten stellt er in seinem jüngsten Buche die tausend Ursachen dar, die zur Ausbildung des kapitalistischen Geistes geführt haben. Zier schildert er auch „die Entstehung der Anternehmerschast", er charakterisiert da die Fürsten und die adligen Grundherrn, die Bürger und die Gründer, die Ketzer und die Fremden, und im engsten Anschluß namentlich an die beiden zuletzt genannten Klassen die Juden. Ganz wie Brentano stellt nunmehr auch er. die Fremdheit als eine mächtige Pflauzschule des kapitalistischen Sinnes in Len Vordergrund. Sein Grundgedanke W'Nunmehr: „In der EeWchLe des' kapiLaliKschen Unter-