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Im deutschen Reich · 1918-02-01 · Heft 2 (Februar 1918) · p. 68

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
24 (1918)
Issue
Heft 2 (Februar 1918)
Article
Die Juden und der moderne Kapitalismus
Date
1918-02-01
Page
68 (sequence 3)
Language
German
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68 Fm Deutschen Nelchden von Hugo Grothe herausgegsbenLN Beiträgen zur KerürtniZ des Orients VIII) lehrt, „die Entwicklung der Dinge treibe d(Mn, daß die Schwachen, die RnLerdrückten, wenn sie sich Zugleich in der Minderheit befinden, sich allmählich aus de? Landwirtschaft Zurückziehen". Dagegen ist „der Handel das Ureigenste Gebiet der Schwachen und Unterdrückten". Ohne weiteres spricht er von einem „Gesetz der Entlandwirtschastlichung". Gefunden hat er es durch Erfahrungen in der heutigen Aürkei, aber es gilt in viel weiterem Umfange. Namentlich hat es sich in der ganzen jüdischen Geschichte bewährt und erklärt auch das Rätsel, wie die jüdischen Bauern aus Palästina jtn der Fremde sich dem Handel zusendeten. Sv beginnen denn auch bald nach der Verschleppung der Anden nach Babylon die Nachrichten über große Geschäfte, die sie hier betreiben, und die ihnen in der Heimat fremd geblieben waren, und später treten uns, in Alexandria, die ersten großen jüdischen Steuerpächter entgegen. In Europa sind sie dann Lange ftemd geblieben. Als Fremde wurden sie allenthalben betrachtet, und das Recht, unter dem sie das ganze Mittelalter hindurch standen, war das Fremdenrecht. Einen Begriff von ihm gibt das juristisch trockene und dennoch Lief erschütternde große Werk von I. E. Scherer. (Die Rechtsverhältnisse der Inden in den deutsch-Ssterreichischen Ländern. Leipzig 1901.) Grundsätze, die anderwärts nirgends anerkannt wurden, herrschten in den Beziehungen zwischen Juden und Ehrisien. Namentlich wurde hier der überall sonst verpönte Zins gestattet und damit die Voraussetzung für die hohe Schule des kapitalistischen Denkens geschaffen, für die Geldleihe. Dazu hatte das kanonische Zinsverbot noch eine Zweite bedenkliche Seite. Indem es die christliche Bevölkerung hinderte^ Darlehen gegen Zins zn gewähren, diK doch die Volkswirtschaft unbedingt brauchte, schaffte es für die Juden notwendig ein Monopol und drängte sie erst recht in den Geld Handel hinein. So werden also die Juden in jeder Beziehung jals Fremde behandelt, und als Fremde müssen sie sich selber lange betrachten. Glücklich umschreibt Brentano ihre eigentümliche Stellung in den europäischen Ländern während des Mittelalters als „persönlich freie Glieder eine? im Lande Anerkannten fremden Nation". Und er gibt unter diesem Gesichtspunkte eine interessante Deutung der Ursprünge des später so verhängnisvoll gewordenen Ghettos (S. 192). Es sei ursprünglich eine Vergünstigung gewesen, nach der die Juden selber verlangt hätten, weil sie zusammenwahnen wollten. So dergleicht er es mit den Kolonien der Phöniker und Griechen ln Aegypten und den späteren mittelalterlichen Niederlassungen der Italiener in den griechischen und Len mohammedanischen Neichen.

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