Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1918)
- Article
- Das "Rote Kreuz" und die Juden
- Date
- 1918-02-01
- Page
- 62 (sequence 6)
- Language
- German
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62 Irn Deutschen Neich durch Len hiesigen „Arbeiterbildnngsderein" ins 'Leben ge-« rufen und durchgeführt, so daß der jeweilige Vorsitzende desselben er officio Vorstandsmitglied der „Genossenschaft sreiw. Krankenpfleger" ist. Seit 1908 Vorsitzender des genannten Vereins, bin ich also seit jener Zeit zugleich im Vorstand der „Genossenschaft". Seit Kriegsausbruch» also seit August 1914, bin ich ohne jede Unterbrechung auf der Geschäftsstelle der „Genossenschaft" tätig, deren Leitung ich seit mehr als zwei Fahren als Vorsitzender, natürlich ehrenamtlich!, selbständig führe. Eine gewisse Erfahrung kann ich also schon für mich in Anspruch nehmen. Schon zu FriedenszeiLen zählte unsere „Genossenschaft" mehrere jüdische Mitglieder, deren Zahl sich bei Kriegsausbruch und nach! demselben, recht vennehrte. Aus allen Gesellschaftsklassen meldeten sich Teilnehmer jeden Alters, die ihre Kräfte in den Dienst der vaterländischen Sache stellen wollten: Kaufleute, Studenten, Schüler; solche, die wegen zu hohen Alters nicht angenommen werden konnten, und solche, die zum Pflegerdienst noch zu jung Waren, um Aufnahme zu finden. Manche davon sind noch jetzt in hiesigen Lazaretten beschäftigt, manche arbeiten noch in der Etappe;, Andere sind inzwischen militärisch eingezogen worden. Und sie trieb sicher nicht die Aussicht auf materielle!« Gewinn. Denn einmal sind die Bezüge recht gering — im Heimatgebiet erhalten sie bei freier Beköstigung im Lazarett monatlich 30 M., im Etappengebiet bei freier Station, Bekösti- Aung und Kleidung 23,40 M. — dann aber haben die meisten, wenn sie nicht durchaus darauf angewiesen waren, auf jegliche Bezahlung von vornherein verzichtet. Sie wollten, da sie nicht mit der Waffe dienen konnten, nicht eigenen Vorteils halber lediglich ihren Geschäften nachgehen, sondern als treue Bürger ihres Vaterlandes diesem dienen, wo und wie sie konnten, lind Ausnahmslos haben sich alle in selbstloser Arbeit gut geführt. Jo daß ihre Zeugnisse, die ihnen von Chefärzten und Delegierten ausgestellt wurden, ein Stolz ihres späteren Lebens Jein können. So war alles in bester Harmonie. Da platzte, nachdem beim Militär die jüdischen Offiziere eines Tages gezählt wurden, auch im Roten Kreuz die Forderung, eine Statistik der darin beschäftigten Juden aufzustellen, aus heiterem Himmel in diese Ruhe hinein. And die Aufregung war eine gleich große und berechtigte. Es ist in diesen Blättern soviel über erstere geschrieben worden, daß es sich erübrigt, hier noch einmal darauf «inzugehen. Mit gerechter Entrüstung hat jeder Jude, mochte er dieser oder jener Richtung angehören, davon gehört. Und wenn auch die Absicht des Kriegsministers, wie er versichert, eine durchaus lgutere war, Jo empfand man Loch auf alle Fälle