Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1918)
- Article
- Judentum und Landwirtschaft
- Date
- 1918-01-01
- Page
- 28 (sequence 2)
- Language
- German
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28 Im Deutschen Nerch. c\i\nc\ des Verbrauchers mit Erzeugnissen anderer unter eigenem Gewinn — sich besonders in tnappen Zeiten oft die Verleumdung nun den Han des Verbrauchers und des Erzeugers zu zieht. Ist eine größere Anzahl hiervon Juden, und in gewissen Zweigen des Handels ist das der Fall, was Wunder, daß dieser Haß leicht zum Judenhaß wird! In der Erkenntnis, woran die deutsche J'udenheiL krankt, bemüht sich die „Hauptstelle für Berufsberatung der Juden", eine Aenderung in der BerufsverLeilung h-erbeizusühren. So groß Vielleicht schon im Einzelnen die Erfolge dieser Einrichtung sein mögen, im Ganzen hat man noch nicht den Eindruck eines 'solche?! Erfolges, wie er erforderlich ist und erreicht werden muß. Was ist notwendig? . Daß unsere Jugend von den Berufen, die vornehmlich den A ebergang der Erzeugnisse vom Erzeuger zum Verbraucher vermitteln, zu solchen übergeht, die -selbst die Erzeugnisse schassen, die den Dingen, die die Natur uns gewährt, die für den Menschen brauchbare Form geben. Was sollen da für Hindernisse bestehen? Der Jude besitze nicht die Kraft, nicht die körperliche Unpass ungssähigkeit, nicht die Freude an der Natur? Wagt man, das unseren Brüdern im Schützengraben zu sagen? Hat der jüdische Soldat der Großstadt, der viele Jahre reines Lebens am Schreibtisch zugebracht hat, weniger Anpajfungsfühigkeit gezeigt als der christliche Großstädter gleicher Berufsart, wenn es galt, aus Patrouillen den Feind zu beschleichen wie der Jäger das Wild? Wahrlich, das können eigentlich nur Menschen, die von Jugend auf mit der Natur verwachsen und. Doch die Not des Krieges stellte auch den Großstädter, den der Natur fremden, vor diese Ausgabe, und er hat sie gelöst und löst sie jede Nächst immer wieder, der Jude ebenso wie der Christ. Schon im dritten Jahre bilden neben den Kriegsereignissen die wechselnden Naturerscheinungen für nufere Brüder im Schützengraben die einzigen Erlebnisse. So sind sie fest mit der Natur verwachsen. Sollen wir die gleiche Fähigkeit nicht auch unserer Jugend zutrauen, die im Begriffe steht, einen Lebensberus zu wählen? Unsere jüdische Jugend wird nicht versagen, wenn ihr nur gezeigt wird, um welche große Sache es sich handelt, wenn ihr nur der Weg gewiesen wird, den sie zu gehen hat. Hier die Führerschaft zu übernehmen, scheint mir, die Ausgabe des „Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" zu sein. So segensreich die „Hauptstelle für Berufsberatung der Juden" schon wirken mag, es genügt nicht, unsere Jugend und deren Eltern zu beraten, sondern es ninst ihnen vor Augen geführt werden, was ihre Pflicht ist, die Pflicht gegen sich selbst, die Pflicht gegen die künftige Generation, die Pflicht gegen die deutsche Nudenheit.