Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1918)
- Article
- Judentum und Landwirtschaft
- Date
- 1918-01-01
- Page
- 29 (sequence 3)
- Language
- German
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Judentum und Landwirt schuft. 2)' Bei unseren christlichen Mitbürgern mag es ohne Schaden für die .Allgemeinheit hingehen, wenn einzelne Jünglinge zu Berufen gezwungen werden, zu denen sie keine Neigung baden. Unser Berufsleben aber kann nur gesunden, wenn man endlich nur den Gesichtspunkt gelten läßt, ob der Beruf die für das- Leben nötige innere Zufriedenheit verschafft. Nicht, in welchem Berufe man am schnellsten vorwärtskommen, wohlhabend werden kann, darf das Entscheidende sein, sondern nur welcher Beruf die Fähigkeiten und Neigungen am besten entfalten laßt. Ist dieser Gesichtspunkt maßgebend, dann, bin ich überzeugt, werden viele Juden die rein praktischen, handwerksmäßigen, technischen Berufe ergreifen. Diele würden aus Liebe zur Natur, aus Freude am Schaffen in der Natur Landwirte werden; denn tv. 5ebr vielen schlummert die Sehnsucht nach der eigenen Scholle. Sollte nicht vielleicht gerade in dieser Sehnsucht ein wesentlicher Grund für die Begeisterung liegen, die der Zionismus in jugendlichen Gemütern oft erweckt? Der Ackerbau ist kein der jüdischen Wesensart fremder Beruf. Um dies zu beweisen, ist es aber wahrlich nicht notwendig, darauf hinzuweisen, daß wir im Altertum ein ackerbautreibendes Volk waren. Man sehe sich nur seine Mitmenschen mit offenen Augen an, und man wird finden, daß sehr viele Juden das innere Verlangen nach dem Beruf des Landwirtes haben, und daß so manchem nur wegen eines Vorurteils der Eltern und wegen eigener Scheu die Gelegenheit der Ausübung cntgangen ist. Eine lange und gute Lehrzeit würde auch den Juden zum tüchtigen Landwirt machen. Unsere christlichen Mitbürger werden als Kinder auf dem elterlichen Hofe zu Landwirten erzogen. Dies wird unserer Jugend noch fehlen, doch schon die nächste Generation würde in glücklicherer Lage sein. Man schrecke neben der Inanspruchnahme aller sonstigen Ansöildungsmöglichkeiten keineswegs davor zurück, rein jüdische Betriebe zu Lehrzwecken einzurichten; denn das Bewußtsein, vor aller Welt als jüdischer Betrieb zu gelten, müßte alle Kräfte zur höchsten Anspannung bringen. Der Krieg hat uns gelehrt, daß es keine Arbeit gibt, deren man sich zu .schämen hätte, wenn sie höheren Zwecken dient. Entehrt es den Universitätsprosessor, den Großkausmann, daß er in Wind und Wetter die Steine aus der Straße kiopst, die Gräben vom Schlamm reinigt, damit die Wagen nicht stecken bleiben, die den Kameraden Lebensmittel und Munition zusühren? Und es sollte den jüdischen Jüngling, das jüdische Mädchen entehren, den Dung aufs Feld zu breiten, damit das Samenkorn die nötige Kraft zu starkem Wachstum findet? Assistenzarzt Dr. Seefelo