Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1918)
- Article
- Judentum und Landwirtschaft
- Date
- 1918-01-01
- Page
- 27 (sequence 1)
- Language
- German
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Judentum und LandwirtschLst. 27 AuÄLntuw und Landwirtschaft» Eine Zuschrift au§ dew Felde. Im „Israelitischen Familienblatt" wurde kürzlich ein Brief aus den „Süddeutschen Monatsheften" von Hans Heinrich Ehrler mit der Ueberfchrift „An einen Juden" wiedergegeben. Dieser Artikel veranlaßt mich, dem „Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" von den Gedanken Mitteilung zu machen, die wich in letzter Zeit viel beschäftigten und zu deren Verwirklichung ich durch dieses Schreiben beizutragen hoffe. Wir alle fühlen es, die Flamme Antisemitismus jLff während des Krieges nicht erloschen. Sie glimmt unter der Arche,- züngelt zuweilen hervor, um nach dem Kriege emporzuloderm Für den schweren Kampf, der uns da erwartet, rnüsten wir gerüstet sein. Die Grundlage dieser Rüstung muß die innere Festigkeit sein, die Ueberzeugung von der Haltlosigkeit aller, gegnerischen Beschuldigungen. Ist diese, unsere innere.Festigkeit eine vollkommene? Trotzdem ich seit meiner Studentenzeit den Geist einer studentischen Verbindung in mir aufnehmen durfte, die den Kampf gegen den Antisemitismus stets als ihr Hauptziel angesehen und mit allem Eifer geführt hat, muß ich gestehen/ daß mir in einer Beziehung zuweiten diese Sicherheit fehlt. Nicht, als ob ich nicht das Schimpfliche des antisemitiichen Gebahrens empfände, das darin besteht, bei jedem Fall von Kriegswucher, an dem ein Jude beteiligt ist, vou „jüdischer Wucherei" swlechthin zu sprechen, und die Kriegsgeschichte in der Weise zu fälschen, als ob Juden in erheblicherer Zahl, als es der Gesamtbevölkerung entspricht, sich in Heimatbetrieben befänden und dort Gewinne aufhauften, statt mit ihrem Leibe das Vaterland zu schützen. Nein, die Haltlosigkeit dieser Beschimpfungen entgeht mir durchaus nicht. Diese schimpfliche Denkart, wird erst so recht klar, wenn man überlegt, daß. der, den der Staat in der Heimat gebrauchen zu können glaubt, weil er als Kaufmann Hervorragendes leistet, gleich in den Geruch der Feigheit kommt. Der Beamte dagegen, den der Staat zu Hause gebraucht, nun, d?c tut eben seine Pflicht und gar der Landwirt, der gewiß vollauf seine Pflicht tut, wenn er alle Kraft anspannt, möglichst viel zu erzeugen, er fühlt sich und gilt als der Retter des Vaterlandes. Nein, diese Kampfesweise empfinde ich durchaus in ihrer Verwerflichkeit. Und doch, hinterläßt nicht jede dieser Verleumdungen auf dem Grunde der Seele die bange Frage, warum sind überhaupt so sehr viele Juden in rein städtischen Berufen tätig? Hat sich die große Bedeutung des Handels für das Allgemeinwohl und das Schädliche seiner Ausschaltung gerade jetzt im Kriege deutlich erwiesen, so unterliegt es doch keinem Zweifel, daß, wer die. Rolle des Kaufmanns übernimmt — die Versor-