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Im deutschen Reich · 1918-01-01 · Heft 1 (Januar 1918) · p. 18

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
24 (1918)
Issue
Heft 1 (Januar 1918)
Article
[Ohne Titel] / J. Sch.
Date
1918-01-01
Page
18 (sequence 4)
Language
German
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18 Im Deutschen Reichs hat, so soll man auch Ae jüdischen Verdiener, die hiergegen reine Waisenknaben sind, in Buhe lassen. Der Centralverein hat sich, bisher im Interesse des Vaterlandes streng an den Burgfrieden gehalten, so oft er auch im Interesse der Juden sich in Versuchung befand, angesichts des Verhaltens der Gegner dem Beispiel jener zu folgen« Er rüstet sich lediglich zu künftiger Abwehr. Das will er zunächst auch! weiter so halten. Doch er braucht zu jenem Zweck Mitarbeiter und Anterstützer. Ebenso notwendig, vielleicht noch notwendiger ist das, was Herr Geheimrat Fuchs in seinem Aussatz „Glaube und Heimat" (Septembernummer 1917 unserer. Zeitschrift) verlangt hat: ein methodisches, organisiertes Zusammenarbeiten aller Juden, da wieder große Kräfte am Spiele seien, die den herausziehenden Anwillen des Volkes von sich aus die Juden ablenken wollen. — Diese großen und groben Kräfte werden immer dreister und schamloser; sie sind nicht nur in den spezifisch antisemitischen Blättern am Werk, sondern auch in alldeutschen und konservativen Organen und gehen sogar so weit, jetzt im Kriege, wahrend die deutschen Juden auf'den Schlachtfeldern bluten, das Verlangen zu stellen, Laß das Iuden-Emanzipa- Lionsedikt von 1812 ausgehoben werde. Zu dieser Forderung versteigt sich die alldeutsche Monatsschrift „Deutschlands Erneuerung", deren niedrig-antisemitisches Gebahren wir schon vor einem Monat geißeln wußten. Es wird Zeit, hohe Zeit zum Zusammenschluß der jüdischen Organisationen. Je berechtigter und überquellender der Anwillen des Volkes, der Christen und der Juden, 'über das rücksichts- und skrupellose Gebahren der Kriegsgewinnler und' Aahrungsverteurer, der Zerstörer t der inneren Einigkeit, der indirekten Kriegsverlängerer ist, desto rasender und gewissenloser werden jene geldstarken Kreise durch ihre Söldlinge die Speere und Wurfmaschinen gegen die Juden richten lassen. Die Moral in Deutschland hat leider Gottes im Lause dieses Krieges viel von ihrer Anberührtheit und herben Keuschheit verloren. Die strengen und vorbildlichen Moralbegrisse Preußens und Deutschlands' haben sich in bedauernswerter Weise gewandelt. Sie haben sich auch ich, der Kampsart, in der ösfent- Lichen Polemik gewandelt. Die Alldeutschen zeigen es fast jeden Tag. Die antisemitische bedenkenlose Gassenpolemik von früher ist nicht mehr eine Ausnahmeerscheinung. Wir werden es, um ein Mommsensches Wort über die Antisemiten zu brauchen, „mit der Gesinnung der Kanaille" zu tun haben. Dessen seien die Juden eingedenk! Das gute Becht und das gute Gewissen waren noch niemals ein sichernder Panzer gegen die Kanaille.

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