Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1918-01-01 · Heft 1 (Januar 1918) · p. 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
24 (1918)
Issue
Heft 1 (Januar 1918)
Article
Die Juden und der moderne Kapitalismus
Date
1918-01-01
Page
10 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2316602-2316876-2316877-2353342--28078-2353428
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

so Am KeuLschen .ReiK mit ganz anderen Bildern erfüllt als in den Wäldern. Sie sind "wenig zahlreich, aber großartig, und zwar schafft sich der Mensch aus seinem KrafLbewußtsein eine kühnere Persönlichkeit, auf die er bei seinen Wanderungen angewiesen ist, einen persönlichen Gott." Im Grunde genommen seien die Juden immer Wüstenbewohner gewesen, denn sie seien Städter geworden, umd die große Stadt sei doch auch nichts anderes als eine Steinwüste, fährt SombarL fort. Brentano bemerkt dazu: „Was ist das für eine wissenschaftlich unwürdige Effekthascherei! Es wird damit der Einfluß der Wüste auf das Denken und Empfinden dem der Stadt gleichgestellt. Beide sind aber einander völlig entgegengesetzt, und die Kinder der Wüste empfinden den Gegensatz zur Stadt ganz in der gleichen Weise, wie die germanischen Anwohner von Wald, Sumpf und Feld." Zum Beleg dafür zitiert Brentano ein prachtvolles Gedicht des einst weltberühmten Araberscheiks Abd el Kader, einen herrlichen Hymnus auf die Schönheit und Erhabenheit der Wüste. Die nächste Auswirkung dieses Geistes hatte Sombart in der jüdischen Religion gesehen. Er hatte sie als die religiöse Erscheinungsform des Kapitalismus dargestellt, und umgekehrt den Kapitalismus als jüdische Religion im irdischen Gewände. Gegen seine Sätze und gegen die Art, wie er sie zu beweisen ffuchte, hatte sich seinerzeit starker Widerspruch gerichtet. Seine jüdischen Kritiker hatten damals an der Hand der Ouellen das Sombartsche Bild als eine Verfälschung erklärt. And heute haben sie die Genugtuung, daß sich Brentano diesem Arteil ^vollkommen anschließt. „Ich selbst kenne von den jüdischen Schriften nur das Alte Testament, aber nach der Art, wie SombarL dieses mißhandelt, kann ich dem Arteil der jüdischen Gelehrten nur beitreten." And nun führt er einige wichtige Aeußerungen des Judentums auf, die entschieden dem Kapitalismus ganz entgegengesetzt sind und die Sombart zu erwähnen iunLerlassen hat. Er erinnert an die EigenLumsordnüng der Heiligen Schrift, an die streng durchgefüh-rte Lehre, daß Gott allein der Eigentümer des Landes ist, an die Bestimmungen über das Sabbatjahr. Er zeigt, wie jener Widerstreit zwischen Matur und Sittlichkeit, den Sombart allein im Judentum entdeckt, und der nach ihm die Grundlage für die von ihm verrufene jüdische Rationalisierung des Lebens ist, überall herrscht, in jeder entwickelten Religion, auch bei den Griechen, auch im Christentum, und dennoch dir christlichen Völker jahrhundertelang nicht kapitalistisch gemacht hat. Er weist endlich auf einen Offenbaren Widerspruch hin, in den sich Sombart verlwrckelt. Fast in einem Satze erklärt' dieser, die Juden Härten der Welt das Christentum mib den Kapitalismus geschenkt. Und so stellt denn Brentano fest: „Die Inden haben also

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.