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Im deutschen Reich · 1918-01-01 · Heft 1 (Januar 1918) · p. 9

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
24 (1918)
Issue
Heft 1 (Januar 1918)
Article
Die Juden und der moderne Kapitalismus
Date
1918-01-01
Page
9 (sequence 6)
Language
German
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Me Juden und der moderne Kapitalismus. 9 Juden ein neues Licht werfen. Denn in der breiten und tiefen Entwicklung, deren Ergebnis schließlich der moderne Kapitalismus ist, sind sie ja nur ein Faktor neben vielen anderen, und die Aufgabe ist es eben, die Bedeutung dieses Faktors festzustellen, ohne zu übertreiben oder abzuschw-ächen. Es steht fest, daß die Juden überall die Entwicklung der modernen Wirtschaft in außerordentlichem .Maße gefördert haben, daß sie allenthalben nach neuen Wegen gesucht, den Fortschritt beflügelt und den Hang an der Gewohnheit überwunden haben. Die Frage ist nun, was sie denn eigentlich zu einem solchen Sauerteig gemacht habe. And für dieses Problem sind verschiedene Lösungen vorgeschlagen worden. Auf die derborgenen Anlagen der jüdischen Basse und aus den angeblichen. irdischen, rein Verstandesmäßigen Zug der jüdischen Religion hatte Sombart ihre Stellung im Leben und in der -Geschichte der Wirtschaft zurückgesührt. And hier tritt ihm Brentano mit starken Waffen entgegen. Er führt die schwersten Argumente gegen ihn ins Tressen und zeigt dann nachher positiv die geschichtlichen Mächte, die dem Juden seine Stellung in der Geschichte und im Wirtschaftsleben angewiesen haben und noch anweisen. Aus einen mystischen Einfluß der Landschaft von Kanaan hatte Sombart die ,,rechnende" Gemütsverfassung der Juden Mrückgeführt. Arsprünglich seien sie Nomaden gewesen, Bewohner der Wüste. Der „Saharismus" sei die hervorstechende Charakteranlage des Juden und diese ursprüngliche Mitgift sei ihm bis aus den heutigen Tag verblieben. Brentanos eingehend begründetes Arteil über diesen Teil von Sombarts Buch lautet: „Soviel Sätze, soviel falsche oder nach Falschem schielende Behauptungen.... Die »klimatischen Verhältnisse entsprechen in keiner Weise der Schilderung Sombarts Seine diesbezüglichen Ausstellungen zeichnen sich durch mutwilliges Austrumpsen von Einfällen unbeeinflußt von Sachkenntnis aus." Weil aber diese Phantasien über die Wüste Sombarts Ausgangspunkt bilden, weil er in ihrer angeblich den Geist und die Seele ausdörrenden Einwirkung die früheste stlrfache für das abstrakte Wesen des jüdischen Geistes sieht und mithin die allersrüheste Arsache für den Kapitalismus, wollen wir mt§ Brentano nur ein schlagendes Zitat des bedeutenden Ethnologen Oskar Peschel ansühren: „Wer immer die Wüste betreten hat, rühmt ihren wohltätigen Einfluß auf das körperliche Befinden.... Jeder Reisende, der noch die Wüsten Arabiens und Kleinasiens durchzog, spricht begeistert von ihren Schönheiten, alle Pühmen sie Luft und Licht, preisen sie das Gefühl der Erquickung und eine merkwürdige Steigerung der geistigen Spannkraft.... Di,e Phantasie, welche die Menschen in ihrer Kindheit leitet, wird in den unbegrenztem Ebenen

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