Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1918)
- Article
- Die Juden und der moderne Kapitalismus
- Date
- 1918-01-01
- Page
- 8 (sequence 5)
- Language
- German
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Im DeursHsn Reich, 0 des Kapitalismus drängten, und ohne die alle jene technischen Amwälzungen vielleicht den Geist aus seiner Liebe zur Gewohnheit nicht hätten Herausreißen können. Es sind besonders Max Weber und Werner Sombart, die in der menschlichen Seele die Wurzeln des Kapitalismus gesucht haben. And so beginnt denn Sombart in seinem jüngsten Werke, in der zweiten Auflage von „Der moderne Kapitalismus" seine Auffassung vom Werden des Kapitalismus (S. 327): „Aus dem tiefen Grunde der europäischen Seele ist, der Kapitalismus erwachsen." Der Heidelberger Professor Max Weber hat in klassischen Antersuchungen in der Religion einen Faktor entdeckt, der auch die Wirtschaftsgesinnung seiner Bekenner entscheidend beeinflusse, der ihn beim Gewohnten zurückhalten, der ihn aber auch vorwärts stoßen könne. Er wollte das Paradoxon Nachweisen, wie gerade die Religion den Menschen in das irdische Leben hineintreiben und den Zug nach denk Himmel zur Erde ab leiten könne. Gerade Bekenner bestimmter .Religionen müßten deshalb weltlich gesinnte Menschen sein, Üm so weltlicher, je mehr sie sich ihrer Religion hingeben. And eine Religion mit diesem starken Zug zum Irdischen glaubte er im Calvinismus und in den ihm nahestehenden Richtungen gefunden zu haben. In ihm sah er deshalb eine mächtige Triebkraft des modernen Kapitalismus. Seinen Spuren ist Sombart nachgegangen. Nur meinte dr, die gleiche Wurzel der modernen Wirtschaftsgesinnung im Judentum« entdeckt zu haben. Die jüdische Religion Und der kapitalistische Geist sind nach ihm eines. Das hat er -1911 in seinem großen Werke „Die Juden und das Wirtschaftsleben" ausgeführt. Jüdische Gelehrte haben ihm damals an der Hand der Quellen naHgewiesen, daß das Bild, das er vom Judentum entworfen hatte, ein Zerrbild sei. Nun aber äußert sich zu dem ganzen Amkreis dieser für uns so bedeutenden Fragen ein großer deutscher Nationalökonom, einer der glänzenden Erforscher der Wirtschaftsgeschichte, Lujo Brentano, in einem Festvortrag, den er im Jahre 1913 vor der Münchener Akademie der Wissenschaften über „Die Anfänge des modernen Kapitalismus"*) gehalten hat. Er fügt jihM noch drei Exkurse hinzu, von denen für uns hier vor allem der erste und der dritte in Betracht kommen, über „Begriff und Wandlungen der Wirtschaftseinheit" und über „Handel, Puritanismus, Judentum und Kapitalismus". Aus dem großen Reichtum, den der Meister der Wirtschaftsgeschichte uns bietet, greifen wir hier nur die Ergebnisse und Erkenntnisse heraus, die auf die Rolle und die Stellung des Judentums und der *) München 1916,: Verlag der K. B< Wabemie der Wissenschafters