Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1918)
- Article
- Die Juden und der moderne Kapitalismus
- Date
- 1918-01-01
- Page
- 6 (sequence 3)
- Language
- German
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s M MWM U-W So war die Natur des KNenschen stets. Aber im? Zeitalter des Kapitalismus nimmt dieses uralte und ewige Streben nach Geld und Besitz eine besondere Form an. Das ist wenigstens die Neberzeugung von Sombart und der Ausgangspunkt seiner Theorie. Denn er definiert die kapitalistische Unternehmung als „die WirtsHastsform, deren Zweck es ist, ein Sachvermögen durch eine Summe von Vertragsabschlüssen über geldwerte Leistungen und Gegenleistungen, zu verwerten". RUd mit dieser trockenen und anscheinend rein gelehrten Feststellung, weist er aus eine allerdings erstaunliche Tatsache hin. Im Mittelpunkte dieser Wirtschaft steht in der Lat nicht der lebendige Mensch mit seinen Trieben und Instinkten, sondern ein unpersönliches Wesen, das Kapital. Alles Streben des Eigentümers ist nur darauf gerichtet, daß. dieses Kapital rentiert. And diesem Gedanken der Rentabilität werden Alle Wünsche, Ziele und Grundsätze unterworfen. Am deutlichsten zeigt sich diese Erscheinung da, wo ideale Gesichtspunkte mit dem Streben stach Gewinn in Widerspruch treten und denn auch Unterliegen.. Die politische Haltung vieler Zeitungen wird wesentlich bestimmt durch die Hoffnung, Inserate zu erlangen, oder durch die Furcht, sie zu verlieren. Dann beugt sich dis politische Reberzeugung der Aussicht auf erhöhten finanzielle» Wutzen, sie büßt dann an eigenem Wert ein und wird zum Wittel, um Geld zu verdienen. Mancher Mann von Geschmack fabriziert mit großem Widerstreben Schund, weil geschmackvolle Erzeugnisse weniger verlangt werden. So haben die persönlichen ' Wünsche und Neigungen des Unternehmers zu schweigen, und die Arbeit der ganzen Epoche gewinnt damit einen unpersönlichen Charakter. Auch seine Bedürfnisse spielen keine Nolle mehr. Ruhige Zeiten sprechen wohl mit den Sprüchen Salomos: „Armut und Reichtunr gib mir nicht, laß MH das Brot genießen, das mir beschieden ist." Dagegen liegt es dem kapitalistischen Sinn ganz fern, sich mit dem zu bescheiden, was zur Deckung der persönlichen Bedürfnisse notwendig ist, und seien diese noch so groß.. Denn die Kapitalien, die einmal angelegt sind, müssen rentieren. So erscheint allerdings heute das Streben nach Gewinn, das die Menschen schon immer beherrschte, als schrankenlos. Mithin ist der Kapitalismus mehr als nur eine äußere Ordnung des Rechtes undder Wirtschaft. Er ist auch eine besondere Stimmung in der menschlichen Seele, die Betrachtung alle r LebensLerhältnisse mit dem Auge des Kaufmanns, und so äußert er sich auch aus den allerverschiedensten Gebieten, nicht nur aus dem der Wirtschaft. Es ist die Stimmung und die Geistesrichtung des Unternehmers, die also zur Herrschaft gelangt ist. Ausnahmslos herrscht sie freilich selbst in unseren Tagen nicht. Weite Kreise verzichten auch heute auf unbeschränkt hohen Gewinn und