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Im deutschen Reich · 1917-12-01 · Heft 12 (Dezember 1917) · p. 505

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
23 (1917)
Issue
Heft 12 (Dezember 1917)
Article
Alldeutsch oder international
Date
1917-12-01
Page
505 (sequence 7)
Language
German
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MdcizLsch oder tuicriTatiöiiaT, 505 Bezeichnung als Juden heftig protestieren. Er denkt fraglos an Juden, die ihrer Gemeinschaft angehören. Aber ob der Alldeutsche Verband aus diese Mitglieder stolz sein kann? Juden rnit konservativer Gesinnung gibt cs natürlich in großer 'Anzahl. Alber der Partei, die das Tivoliprogramm ausgestellt hat, wird sich ciu a lt st ändi g e r jüdischer EharaUer nicht anschließen können, ganz zu schweigen vom Alldeutschen Verbände. Es gibt Juden, die aus alldeutschem Stande Punkt stehen, und auch in den leitenden Organisationen des Judentums gibt es Männer, die jene Ideen teilen. Jeder von ihnen würde cs aber als eine Beleidigung ansehen, wenn man ihm die Mitgliedschaft in einer Gesellschaft zumuten wollte, die ihn tagtäglich beleidigt. Ein Jude, der Ehre im Leibe hat, kann trotz noch so konservativer und alldeutscher Gesinnung niemals dem Verbände angehören, wenn er sich nicht selbst entwürdigen will.' Die Versuche, die Judenheit eines Landes auf eine bestimmte politische oder nationale Richtung festznlegen — zwischen den Extremen intc>'rrnha'.tjonal und alldeutsch gibt es ja noch Manch andere Schattierung — müssen allesamt fehlschlagen, weil psychologisch jeder Grund zu einer einseitig verlaufenden Stellungnahme fehlt. Ilitb wenn man im heutigen Deutschland die Juden meist auf der Seite der liberal und fortschrittlich gesinnten Parteien findet, so weiß ein jeder, der die jüdische Seele kennt, daß dies nur geschieht, weil diese Parteien dem Inden sein Menschenrecht zuerkannten und es tatkräftig verfochten. Ein Unterschied, das hat Friedrich richtig gesehen, besteht tatsächlich zwischen der politischen Stellung der Juden in Deutschland auf der einen und in England oder Nordamerika auf der anderen Seite, .^xer ist die kulturelle Einfügung restlos durchgeführt. Der gewiß vorhandene Antisemitismus ist keineswegs das Privilegium einer bestimmten politischen Partei und so spielt das Judentum bei der Wahl der politischen Stellung keilte Nolle. Friedrich und die welligen Alldeutschen, die sich bemühen, gerecht zu denken, verwechseln Ursache mit Wirkung. Der Konservativismus ist nicht judcnfeilidlich, weil der Jude sich seinen Ideen gegenüber ablehnend verhält, sondern der Jude hält sich von diesen Parteien zurück, weil er dort nur Anfeindungen und Gehässigkeiten begegnet.- Wenn daher „Deutschlands Erneuerung", dessen bisherige 'Stellung zur Judenfrage sich nicht erheblich von der „Staatsbürgerzeitung" und -„Wahrheit" unterscheidet, wirklich das vornehme Organ sein will, das zu sein es sich rühmt, wenn es wirklich den Problemen nicht mit der. verhetzenden Phrase der Volksversammlungen, sondern mit politischem und wissenschaftlichem Ernste zu Leibe gehen will, so weiß es den Weg. Ob die Judenheit in größerem Umfange wirklich den alldeutschen

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