Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1917)
- Article
- Alldeutsch oder international
- Date
- 1917-12-01
- Page
- 501 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Alldeutsch oder international. 501 positiven Vorschlägen vor einem 'vollendeten Rätsel, — wenn man Bernstein eben nicht kennt. Von der Aufgabe einer Gemeinschaft kann man nur reden, wenn wenigstens eine kleine Minorität entweder geschichtlich einmal diese Aufgabe vertreten .hat, oder wenn in der Politik des Tages sich irgendeine Anknüpfung findet. Nichts trifft aber beim Judentum zu. Niemals ist das völkerverbindende Ideal int Sinne Bernsteins auch nur theoretisch verfochten worden, und auf keine Strömung unserer Tage kann er sich stützen. Der Zionismus will ja 'gerade ein jüdisches Volkstum, dessen Aufgaben in der eigenen Entwicklung liegen; . das religiöse Judentum orthodoxer und liberaler Richtung erkennt nur religiöse Aufgaben des Judentums an und erstrebt eine Völterverbindung nur in dem hohen ethischen Sinne, wie sie schließlich auch das Christentum wünscht, weist aber den Juden im übrigen auf rückhaltlose Mitarbeit in seiner Nation hin. -Lind das. A s s i m i l a n t e n t u m erkennt ja überhaupt keine jüdische Aufgabe an. Wir muffen eS leider hinnehmen, daß mau zwar sonst zu allen.Dingen, über die man schreiben will, eine gewisse Sachkenntnis und einen gewissen Ernst besitzen muß, nur nicht, wenn man sich über das Judentum geistreich auslassen will. Das scheint unser Schicksal zu sein. Man kann das Werden dieser Broschüre leicht verfolgen. 'Die zionistische Zeitschrift „Der -Jude" ließ Bernstein sein Judentum entdecken, er schrieb für sie den Abriß einer Selbstbiographie, aus der man mit Behagen vernimmt, daß er eigentlich nur einmal mit wirklichem Judentum in Berührung gekommen ist, als er nämlich halb widerwillig zur „Megille" in die Synagoge Heidereutergasse ^geschleppt tzvurde. Um eine Broschüre über das Judentum zu schreiben, reicht diese Kenntnis völlig aus. Daß freilich die Berührung Bernsteins mit den: Judentum gerade am Purimfeste stattsand, ist ans ihr klar ersichtlich. Sein Antipode Friedrich, der dem Judentum der: umgekehrten Vorwurf macht, sucht in erfreulichem Gegensätze den Problemen gerecht zu werden. Er geht nicht, wie sonst die Alldeutschen, von der Meinung aus, der Internationalismus sei die allgemein jüdische Denkweise. Er erblickt darin ein deutsches Problem und erkennt an, daß englische und französische Juden sich national durchaus eingefügt haben. Gewiß liegt liegt hierin ein Körnchen formeller Wahrheit, insofern als in jenen Ländern die Emanzipation älter ist und ehrlicher durchtzeführt wurde. Im letzten Grunde steckt aber doch in dieser; Behauptung nur ein Rest jener Auslandsbewunderung, auf die 'gerade der Alldeutsche sonst so verächtlich herabsieht. Was das. Ausland hat, ist eben besser, sogar die Juden. Friedrich sieht aus diesem Grunde ein, daß der schroffe Antisemitismus