Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1917)
- Article
- [Ohne Titel] / J. Sch.
- Date
- 1917-12-01
- Page
- 494 (sequence 3)
- Language
- German
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494 Jur Deutschen?tctdf> Werk abgeschnellt. Nichts anderes erscheint bedroht als drei konservativen Parteiintcressen. Die Rabulistik geht soweit, das; die „Kreuzzeitung", daß agrarische und schwerindustrielle Organe behaupten, das königliche Versprechen sei bereits (ungelöst, denn die Wahlrechtsreform sei dein Landtag unterbreitet. Nun sei das Werk losgelöst vom König und es bekämpfen heiße die Arbeit des Ministers, nicht den König bekämpfen. Staatsrechtlich stimmt das, sachlich und moralisch nicht; und anr wenigsten dürsten: sich, Personen, die sich stets so auffallend laut ihrer unerschütterlichen monarchischen Gesinnung rühmen, einen solchen Ausweg wählen, dessen Betreten nicht nur der Lächerlichkeit verfällt, sondern auch dem König eine sein Ansehen schädigende Stellungnahme zumuten will. Das erinnert an das unsinnige Hin- und Herrennen einer Maus, die sich in einer Falle gelangen sicht und nun durch jeden kleinen Spalt sich hiudurchzuzwängen versucht. Der König hat in dieser bedeutsamen Frage die Führung übernommen; das Wort sie sollen lassen stahn. Um 5. Dezember hat der Kampf im preußischen Abgeordnetenhause begonnen. Es wird ein hartnäckiger Kampf werden, dessen 'Ausgang zur Zeit, da diese Zeiten geschrieben werden, noch ungewiß ist. Der Minister Or. Drews erklärte mit einer Entschiedenheit, die auf der rechten Seite ein mißtönendes Echo fand, daß das Plural-Wahlrecht für die Negierung unannehmbar sei, es würde gewissermaßen ein verdünnter Aufguß des Dreiktassenwahlrechts sein. Auch das berussständische Wahlrecht, das die Konservativen neuerdings an die Stelle des gleichen Wahlrechts sehen möchten, lehne die Negierung ab, denn die Abgeordneten sollen Vertreter des ganzen Volkes, nicht einzelner Berufe sein. Die Regierung müsse und werde sich mit allen ihr verfassungsmäßig zu Gebote stehenden Mitteln dafür einsetzen, daß das gleiche Wahlrecht Gesetz werde. Dieses sei der ausschlaggebende, der Kernpunkt der Vorlage. Der Ministerpräsident hatte vorher die. Konservativen 'gebeten, es nicht zur Ablehnung der Vorlage kommen zu lassen und „schwere Erschütterungen" zu verhüten. Herr von Heydebrande aber, der Führer der konservativen Fraktion erklärte: Wir sind auf keinen Fall für das gleiche Wahlrecht zu haben. Wie soll und wird diese Kluft überbrückt werden, die nöch erweitert wurde durch die persönlich zugespitzte Tonart des ungekrönten Königs von Preußen, der dem Minister Dr. Drews zurief, seine Rede sei mit allgemeinen Redensarten angefüllt gewesen, mit denen man ebensogut die Einführung der Republik begründen könnte? Die Konservativen wollen, wie Herr von Heydebrcmd versprach, an einer Verbesserung der Vorlage gründlich Mitarbeiten. Diese Mitarbeit an Wa.hlre-