Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1917)
- Article
- Nachruf
- Date
- 1917-12-01
- Page
- 491 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2316602-2316864-2316875-2353217--27986-2353282- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nachruf. 491 Hilssoereiiis der deutschen Juden, Ehrenpräsident der Allgemeinen Jüdischen Kolonisations-Organisation. Denr Central- Verein hat er, wie scharr erwähnt, durch die gewissenhafte unb nrnstergiltige Einrichtung und Führung der Zassengeschäfte 'gerade irr den ersten Jahren seines, Bestehens wichtige Dienste geleistet imb auch spater, als er bas ^fmf deS Schatzmeisters aufgegeben halte, sich als Lrerrer Berater und opferbereiter Helfer belvährt. Er hat sich ein dauerndes dankbares Andenken gesichert. Sigismund Blaschke, geboren in Breslau am 3. Dezember 1851, ist, nachdem;cr in seiner Vaterstadt das Elisabeth- Gymnasium besucht, dort das Abiturientenexamen bestanden unb ein Semester Mathematik studiert hat, als junger Student nach Berlin gekommen, das seine zweite Heimat werden sollte. Hier hat er sich dem Studium der Philologie zugewenoet uitb nach bestandener Staatsprüsilng das pädagogische Probejahr am Französischen Gymnasium abgelegt. Nachdem er noch an anderen Berliner Anstalten als Hilfslehrer tätig gewesen, wurde er am Sophien-Ncalgymnasnim augestellt, dein er 36 Jahre angehört hat. Er unterrichtete besonders Lateinisch und Deutsch, und in späteren Jahren übernahm er auch den jüdischen Religionsunterricht. Seinen Schülern war er, wie seine Anttsgenosscn bekunden, stets ein liebevoller!und gerechter Führer, den Kollegen icin Vorbild treuester Pflichterfüllung. Aper diese Gewissen- Hastigkeit in der Ausübung seines Berufes liest ihn: doch auch die Zeit, sich den Angelegenheiten seiner Glaubensgenossen und besonders beium der jüdischen .Gemeinde in Berlin Zu widmen, Frühzeitig wandte er sich 'der Hebung der j ü d i s ch c n Schulen uud der $btbcnuin des jüdischen Religionsunterrichtes zu, unb sein reiches Wissen, seine auf praktische Erfahrung begründete Sachkenntnis, seine nie versagende Arbeitskraft, seine schlichte und doch eindringliche Beredsamkeit bewirkten, das; man überall, wo er sich betätigte, seine Mitarbeit hochschätzte und ihn an :füf)vcubc Stelle berief. So gehörte er der Repräsentanten- Versammlnng der jüdischen Gemeinde in Berlin seit 18 Jahren an, Lange Zeit als ihr Schriftführer, znletzt als 1. Stellvertreter des Vorsitzenden, seit 25 Jahren dern Deutsch-Jsraelitlschen Gemeindebund, dem Liberalen Verein (für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Merlin, in dem er auch das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden bekleidete, und zahlreichen .gemeinnützigen Vereinen. So war es natürlich, dast, als Maximilian H.orwitz, mit dem er feit 1881 in treuer Freundschaft verbunden war, in den Vorstand des Eentral^Vereins eintrat, er bald auch den Freund für die Sache dieses Vereins gewann. Auch int C.-B. hat Blaschke stets als fleißiger, unermüdlicher Mitarbeiter sich bewährt, besonders in allen Fragen, die Unterricht und Erziehung betrafen. Er gehörte auch der Redaktions-