Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1917)
- Article
- Nachruf
- Date
- 1917-12-01
- Page
- 490 (sequence 1)
- Language
- German
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490 Im 9cui[c5:cu Reich'.: Nachruf. Hart hat die erbarmungslose Hand des Todes, die draußen in^ Uelde die Blüte der Jilgen'o Deutschlands nicbcrftvcrlif, in beit letzten Wochen auch -unfern Verein getroffen. Nachdenr am 13. Oktober d. I. unser unvergeßlicher Führer Maximilian Horwitz uns entrissen, worden und eitle Woche später Justizrat Ofner, der Führer der bayrischen Juden, ihrn gefolgt ist, hat auch der November zwei Männer aus unserer Mitte gerissen, die in jahrzehntelanger Mitarbeit an den Allsgaben des Central- Vereins uns wertvolle Helfer in nuferem Kampfe für die Anerkennung der Gleichwertigkeit des Judentums und die Gleichberechtigung der Juden und vielen von uns treue Freunde geuwrden sind: Am 2. November starb I)r. Isidor Gins borg, aur 25. November Prof. Dr. Sigismund B l a s ch l e. \)r. (5 i n s b erg gehörte zu den ältesten Mitgliedern des- Vorstandes und den wenigen, die von den Begründern des Vereins noch in unserer Mitte weilen. Cr hat üou Anfang an dem Verein opferwillig seine Kraft zur Verfügung gestellt und die oft recht verwickelten und schwierigen Kassengeschäfte des Vereins zu führen übernommen. Er war besonders in den Zeiten, da er sich noch einer vollen Gesundheit erfreute, ein eifriger Teilnehmer an allen Beratungen des Vorstandes und half nicht nur durch seinen einsichtigen, ans Kenntnis des praktischen Lebens begründeten Nat, sondern, wo es not tat, auch freigebig und hochherzig mit der Tat. Geboren am 16. Oktober 1854 zu Lodz siedelte er irr früher Jugend mit seinen Eltern nach Berlin über und besuchte hier das Sophiengymnasium. Nachdem er in Fachschulen des Inlandes und des Auslandes sich eine gründliche Fachbildung erworben, trat er in das Geschäft seines Vaters ein, der eine Textilfabrik in Zawiereie in Russist ch-Po len betrieb. Mit unter seiner Führung entwickelte sich das Uutcrucljmcu zu einem der ersten dieser Industrie. Er beschäftigte schließlich über 6000 Arbeiter und wurde durch seine A r b e i t e r f ü r s o r g'e vorbildlich für 'ganz Polen, u. n. durch seine Schule für 2000 Kinder seiner Arbeiter. Bei der Besetzung Polens durch die Deutschen hat kunsere Regierung wiederholt ' ihre Bewunderung und Anerkennung darüber ausgesprochen, eine solche Kulturarbeit hier vorzufinden. Dr. Ginsberg hat dann auch der Teilnahme an den öffentlichen Angelegenheiten sich zngewendet und an den staatlichen und Gemeindewahlen und besonders an sozialer Hilfsarbeit für hie Angehörigen aller Bekenntnisse lebhaften Anteil genommen; und überall schätzte man ihn wegen seiner eifrigen Mitarbeit und steten Hilfsbereitschaft. Er war bis zu seinem Tode Schatzmeister und stellvertretender Vorsitzender der jüdischen Reformgemeinde, Mitglied des Centralansschusses des