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Im deutschen Reich · 1917-12-01 · Heft 12 (Dezember 1917) · p. 487

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
23 (1917)
Issue
Heft 12 (Dezember 1917)
Article
Gedenkrede für Maximilian Horwitz
Date
1917-12-01
Page
487 (sequence 5)
Language
German
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©cöcufrc&c für Maximilian H'orwitz. 487 feie Zügel igesührt inte mit bet ^c^)är^c: seiner Rede die Böswilligen: gegeißelt, die Zaghaften ansgerüttelt.. Er hatte die nimmertrügends 'Hoffnung, daß Wahrheit und Gerechtigkeit sich durchsetzen und daß. ehrlicher Kampf und nie ermüdende Arbeit nicht vergeblich sein würden. Wir haben den Verein ansgcbaut auf Grundsätzen, die dem innersten Wesen seiner Eigenart, seiner frohen Kampsnatur, seinem rnannhasten Selbstbewnßtsein, seinem warmen Sinn für Recht und Gerechtigkeit, seiner durch und durch gesunden, demokratischen Gesinnung entsprachen. Nicht Schützlinge anderer wollen wir sein, sondern selber wollen wir für uns kämpfen; nicht einer und wenige, sondern alte deutschen Juden sollen eS sein, gleichgiltig, welcher politischen Partei und welcher religiösen Richtung sie angehören, Als vor 100 Jahren der korsische Eroberer die deutsche Nation knechtete und sie um ihre Befreiung rang, da hat Fichte ihr das befreiende Wort zu gerufen, das; kein Mensch und kein Gott und leins von alten im Gebiete der Möglichkeit liegenden Ereignisse uns helfen rann, 'foubemt daß wir uns selber helfen müssen, falls uns geholfen werden soll. Und geholfen konnte uns nur werden, wenn der Verein auf demokratische Grundlage gestellt,- jeder Einzelne zur Mitarbeit in dem uns aufgedrnngenen Stampfe für die Gteichbere.chtignng der Jndenheit und die Gleichbewertung des Judentums herangezogen würde. Denn Recht und Freiheit müssen erkämpft und «errungerr werden, sie sind nicht Angebinde, die einem mühelos in den Schoß fallen. Die Lilie auf dem Felde, die nicht arbeitet und spinnt und doch wächst, der Vogel unter dem Himmel,- der nicht sät und nicht erntet, und den unser himmlischer Vater doch ernährt, sind nicht Symbole unserer Religion, und deshalb mahnte er die deutschen Inden, mit dem Einsatz von Schweiß und Herzblut um ihr Recht zu kämpfen. Er war der Kämpfer für unser Recht: aber ihm sagte auch die laute Stimme seines Gewissens, daß eS im üsscnt-, lichen Leben Rechte ohne Pflichten nicht gibt, daß die Wwehrkämpfe sür unser Recht' nur mit beit Waffen deö Geistes geschlagen werdew können, daß Abwehr Wissen verlangt, Treue, Selbstbewußtsein und Selbstzucht. So waren die Wwehrkämpfe die Quelle, an der unsere Jndenheit gesundete. Und so wuchs der Eentralverein au§ einer rein negativen Aüwehrtätigkeit zu einer positiven innerlichen Wiederbelebung des JirdentumS heraus. „Seid stolz und treu in der Eigenart," so hatte cs vor wenigen Jahren unser Slaifcr den deutschen Stämmen Zugerufen- und so wurde er es ein Vierteljahrhundert nicht müde, unfern Glan-, bensgenosscn znznrufcn: treu sein den: Vaterlande und der Glaubensgemeinschaft, ansharren da, wo uns nach Veit Worten unscres größten deutschen Geistesheros mehr das Schicksal als unsere Wahl hingestellt hat. Stolz sein in der Eigenart, die Vater nicht verleugnen,- weil es höchster Seelenadcl ist, der Väter gerne zu gedenken, nicht restlos in der Umwelt ansgehcn, denr Neuen sich nicht verschließen, aber das Alte-nicht preisgeben, mit geheiligtem Brauch des Vaterhauses nicht brechen. Nicht Assimilation, sondern Renaissance des. Indentuut-s! r^ich unpassen an das, was die Stunde verlangt, aber unverbrüchlich sesthaltcn an dem, was Ehre und Pflicht, Treue und Sto*" gebieten. Diesen Grundsätzen verdanken wir cs, daß der Central-- verein alle deutschen Juden umfaßte, ein neutraler Boden für alle wurde, gleichgültig, ob sie recht-, frei- oder gar ungläubig waren. Obwohl Horwitz selbst in religiöser Beziehung ans der äußersten Seite des Liberalismus stand, so Ijlattcf er volles Empfinden sür die Bedürfnisse der Rechtgläubigen. Und in bewußter Abkehr von Raphael LöwenfeldS rationalistischem Standpunkt trat er auch den Uebe.rgrifsen liberaler Intoleranz entgegen und duldete es nicht,' daß Gewissenszwang gegen die Strenggläubigen geübt würde. Der Eentralverein wuchs unter seiner Führung; aber Horwitz verstand es, daß er nicht das letzte Blatt in der Geschichte der Jndenbewcgung sein durfte» Als der Streit fid|

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