Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1917-12-01 · Heft 12 (Dezember 1917) · p. 486

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
23 (1917)
Issue
Heft 12 (Dezember 1917)
Article
Gedenkrede für Maximilian Horwitz
Date
1917-12-01
Page
486 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2316602-2316864-2316875-2353215--27978-2353277
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

4S6 Im DeutschLN U lehren,- bei* die geistesverwandte, fürsorgende,- tatkräftige, knustsinnigd Gattin All einem Hause geschaffen hat, ans dem er Lebenskraft und Lebeusglück Zog. Eine -sonnige, beglückende Tochter, ein hoffnungsvoller sSvhn vereinigten sich, die Eltern Zn beglücken und ein Haus zu schaffen, ans den: Gottes unsichtbare Gnade sichtbar waltete.' In ireucr Pflichterfüllung lag er seinen: Berufe als Anwalt ob, als getreuer Gatte und Vater gab er den Seinen die Liebe und Zärtlichkeit wieder, mit der sie ihn beglückten. In das öffentliche Leben trat er in: Jahre 1893 ein. Damals; feierte noch in deutschen Landen die cmtifcmitifrlrc Bewegung Orgien. Sie bedrohte bcn Ncchtsfrieden der deutschen Juden, fic. laftcrtc unsere Religion, sie terrorisierte die Negierung. Sie ging darauf aus, den Juden die beschworene Verfassung Zu breche:: und sie befleckte damit das Vaterland. Sie fand die Inden unorganisiert, Zum Teil resigniert und, was noch schlimmer war, indifferent. Das Lazarnsscha DcZcmber- Komitee, der Gueist-Rickertsche Abwehrverein, das Jamcs-Simon.-Rathan- Komitee taten ihr Bestes, um iu Wort und Schrift, ii: Rat und Tat der Bewegung rritgcgenzulretcn. Aber es fehlte die Zusammenfassung', der Inden, der Gedanke der Gesamtheit, die, um das Fichtesche Wort Zn gebrauchen, in allen seinen einzelner! Gliedern: getrieben und belebt ist durch dieselbe eine Angelegenheit, der Gedanke, der Mut und Hofsnung bringt in die Zerschlagenen, um sie über die Stunde der größten. Bedrängnis leicht und sanft hinüberzugleiten. Da erging Raphael Löwensclds Mahnung au die deutsche:: Staatsbürger -jüdischen Glaubens, selbst ihr Schicksal in die Hand Zn nehmen. Der Eentralverein deutscher Staatsbürger jüdische:: Glaubens wurde gegründet. Selbstverteidigung in: vollen Lichte, der Oeffenllichleit war seine Losung. Ich war iu den: vorbereitenden Komitee und hatte Gleichgesinnte 'Zu werben. Mein erster Gedanke war Horwih. ES sind fast 25 Jahre her, Aber noch heute i.st .mir lebendig vor Augen, als wäre; es gestern gewesen, der Augenblick — wir habe:: später darüber oft gesprochen '— wo -ich vor den: AnwaltsZimmer des Kannnergerichts ihn fragte, ob er denn nicht Zn uns kommen wolle. Erst lächelte er,- weil er glaubte, er handele sich.um einen Verein gläubiger Inden und die Zugehörigkeit Zu einem Verein religiöser, konfessioneller oder gar strenggläubiger (Observanz ihm mit seiner Welrauschauuug, insbesondere 'mit seiner Stellung Zur Religion nicht vereinbar erschien. Aber ein Mick in den Aufruf und ein kurzes Wort des Hinweises^ das; es ^Ehrenpflicht für jeden' aufrechten Deutsche:: fei, für die unterdrückte Glaubensgemeinschaft einzutrcieu, nur ihrer und des Vaterlandes wegen .genügte, um ihn Zu den Unfern Zu machen. Schon als in: nächsten Jahre der erste Vorsitz durch Marti:: Mendelsohns Weggang erledigt war, wurde er unser -Führer. Von da ab hat er den Verein durch die Fährnisse und Krankheiten der Kindheit -auf die Höhe gebracht, ans per er sich heute befindet. Er wurde der Führer im Kampfe, für unser Recht, der Anwalt unserer Juteresscn, der Wächter unserer Pflichterfüllung. Das war ein Stiick schwerer geistiger und körperlicher Arbeit. Wenn war uns später zurmckeriunertcn an jene ersten Jahre, llvo von allen Seiten Schwierigkeiten auf plus einstürmteu: der Haß unserer Gegner, der Judusereutismus unserer Brüder,- der Warnruf der Zaghaften und Schwachn:üLigen, die uns Zuriefen, wir sollen. n.icht (Staub aufwirbcln und die Gegner nicht reizen, wenn wir uns dessen -erinnerten, wie man uns Zurief, wir sollten uns mißlicherer Beschäftigung zuwendeu, nicht die jüdische Sache schädigen und nusi uv: unsere Auwaltsgcschäfte fümmctit, so haben wir wohl lächelnd der vergangenen Stürme gedacht. Als sie aber Lobten, hat uns häufig der Zorn übcrmannt, uns die Blutröte der Schau: ins Gesicht, getrieben. Mir eiserner Hand hat er damals in den turbulenten Versammlungen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.