Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 11 (November 1917)
- Article
- [Ohne Titel] / J. L.
- Date
- 1917-11-01
- Page
- 447 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2316602-2316864-2316874--27816-2353123- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Umschau^ 447 Krieg von den -- Juden herbeigeführt wurde. Wenn sonst vom deutschen Volle mit Recht behauptet werden darf^ daß es den Krieg nicht wollte, so gilt dies von den Alldeutschen kaum. Ihr Wortführer, General v.'Gebsattel, sprach vorn „herbeigewünschten" Kriege, „ersehnt" nannten ihn die „Alldeutschen Blätter" und dem Autisemitenführer Prof. Werner entwischte im Reichstag die Wendung: „Wenn wir den Krieg herbeigesehnt haben, so..." Wer die Juden? Nicht einer war unter den Staatsmännern oder unter den Kräften, die an der zum Kriege drängenden Verwicklung einen Anteil hatten; schwerlich wird aber einer aufzutreiben sein, der, urteilsberechtigt, den Krieg nicht als ein Weltnnglück empfunden hätte. Von den „vierhundert Milliarden", die der Krieg in Umlauf brachte, würden „Zwei Drittel in den Händen des Großkapitals" bleiben, so verkünden in einem grotesken Zahlenrausch die antisemitischen Blätter und setzen dabei voraus, daß ihre Leserschaft unter „Großkapital" die jüdischen Finanzleute verstehen, obwohl in Wirklichkeit die Großbanken nur zum kleinen Teil in jüdischen Händen sind. .Es gilt eben die Blicke vom richtigen Ziele abzulenken, indem man sie auf die Juden irreleitet. Dabei bekommen die Agrarier und Antisemiten es mitunter zu kosten, wie es schmeckt, wenn man ihre eigenen, gegen die Juden ersonnenen Methoden auf sie selbst anwendet Wie ein Pfeil, der auf den Schützen zurückfliegt, erscheint es, wenn ein czechisches Blatt die Agrarier mit den Anklagen bedenkt, die sie selbst gegen die Juden erdichtet haben und' in Umlauf zu setzen sich bemühen. Der klerikale „Ccch“ schrieb am 25. September: -„Ueber die Stellungnahme der Agrarier gegen den Frieden beschwert sich die Brünner „Novnost", indem sie schreibt: „Das Hetzen des „Lidov- Denn!" ist nur ein neuer Beweis, wie das reiche, größtenteils reklamierte Bauer*!iche Junkertum, welches sich in allerlei Zentralen, <Se». treideanstalten, Kommissionen und Kanzleien versteckt hält, dem Frieden abgeneigt ist, weil tzie heutige Zeit für dasselbe ctne goldene Erntezeit bedeutet, eine Zeit, wo alle ihre Besitzungen aufbauert Und ausbefsern, für ihre Kinder Hunderttausende als Mitgift zu» sammenraffen odne Rücksicht darauf, daß dies ß.uf die Kosten der Aermsten und derjenigen/ die. oder deren Kirrder an der Front Vder zuhause Bot leiden, geschieht."' Da ist so. ungefähr das alldeutsch-anLesimitisch-agrarische Rezept einfach abgeschrieben und auf die Agrarier angewendet. Mit gesteigerten Kräften und gemindertem Erfolge setzen dsts (antisemitischen Blätter die Jagd auf jüdische Namen in LebensmiLLelwucherprozessen fort, wobei sie nur übersehen, daß' vielfach urchristliche Familien jüdisch klingende Namen tragen. Haben wir doch ein altberühvtes Fürstenhaus, das gleich drei jüdischklingende Namen mit berechtigtem Stolze führt: Löwenstein-Wertheim-Freudenöergl Natürlich soll es gar nicht geleugM werden^ daß neben Sp&n MUMrr guK 1WM LÄE-