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Im deutschen Reich · 1917-11-01 · Heft 11 (November 1917) · p. 446

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
23 (1917)
Issue
Heft 11 (November 1917)
Article
[Ohne Titel] / J. L.
Date
1917-11-01
Page
446 (sequence 2)
Language
German
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4i6 Im Deutschen Nctch.- incniarifajcit Erfahrung ein so unrsassendes staatsmännisches Leissen und Köiuieu vereint. Einen: Zeittrumsmanu aus den Tage:: des Kullnrkampss mag es heute freilich wie ein Wunder und lvie eine Umkehrung aller Borstellungen, wie eine verkehrte Welt erscheillen, einen Katholiken und „Ultrauwntanen" in dem Nutte zu sehen, dessen erster und berühmtester Träger einst der leidenschaftlichste Gegner seiner Partei war und mit ihren Führern in: heftigsten Kampfe stand. An der Zentrumsvergangenheit des Grasen Hertling nimmt jetzt leine Partei in: Reiche irgendwelchen Anstoß — selbstverständlich am allerwenigsten die deutsche Judenheit. Ihr war ja und ist und bleibt das Glaubensbekenntnis eines Kanzlers dessen Privatsache. In diesen Tagen aber erleben wir es ja, daß das ganze Zentrum von den Alldeutschen für — — j ü disch erklärt wird. Und nicht nur das. Auch der österreichisch-ungarische Minister des. Auswärtigen, Gras Czernin, auch der sehr srouuue, junge Kaiser Karl, lauter Juden. Und zuletzt ist auch der — Papst ein Jude! Der Wortführer der Alldeutschen, General v. GebsaLtel, hat es sich ja von einem biederen Bäuerlein und Baierlcin offene baren lassen und hat es als große Heilswahrheit seiner gläubigen Gemeinde, verkündet, daß wir einen „von Juden gemachten^- Reichstag haben und daß dieser Judenreichstag einen Indenfrieden machen will. Die Friedensresolution des Reichstags ist aber vom gesamten Zentrum angenomn:en worden, auch der neue Kanzler steht auf ihrem Boden, die Reden des Grafen Czernin verkünden, mit größerer Schärfe noch, die gleichen Grundsätze und die Vorschläge des Papstes atmen den gleiches Geist. Kanzler, Zentrum, Papst für den — Judenfrieden. Zu den Juden werfen die Alldeutschen aber auch eine Reihe der hervorragendsten protestantischen Geistlichen. Prediger von der Bedeutung und dem höheren Ansehen eines Nith ack-M ahn,- Pfarrer Dr. Uner usw. bekennen sich frei zu den Grundsätzen der Friedensresolution, also zum „Judenfrieden". Lic. Or. Aner geht in einer trefflichen, überzeugenden Schrift*) den deutschen mit wuchtigen Gründen zu Leibe. Er weist die „donnernden Weltverschlucker" zurück, die nicht bemerken, daß sie die Geschäfte des Feindes besorgen. Die Alldeutschen und die Antisemiten wollen aber von ieinem Frieden nichts wissen. Von einem äußeren nichts und erst recht nichts von einem inneren Frieden. Die wunderlichste Entdeckung, zu der die alldeutsch-antisemitische Phantasie sich, aufgeschwungen hat, istttdie, daß der *) „Hammer oder Kreuz? Eine Abwehr alldeutscher Denkart im Namen des deutschen Christentums" von Lic. Dr. Auer, -Pfarrer in CharlpAenburg< Jena, Eugen Diederichs.

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