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Im deutschen Reich · 1917-11-01 · Heft 11 (November 1917) · p. 445

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
23 (1917)
Issue
Heft 11 (November 1917)
Article
[Ohne Titel] / J. L.
Date
1917-11-01
Page
445 (sequence 1)
Language
German
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Jlmfcfjbtti 445 Umschau Hab'cmus pap am — nod) langem Suchen ist der neue Reichskanzler gefunden und nach schweren Mühen ist er für dieses verantwortungsvollste .Amt gewonnen worden. Auch für einen Politiker, der nicht vierundsiebzig Jahre alt ist, nicht ein so arbeitsvolles Leben in Wissenschaft und Politik hinter sich hat, wäre, es ein Opfer gewesen, in der denkbar schwierigsten Zeit, bei den denkbar gewaltigsten Anforderungen an einen Staatsmann, das Neichskanzleramt zu -übernehmen, es jetzt zu übernehmen, da es noch so viel mehr Bürde als Würde umfaßt. Und nach der abschreckenden Erfahrung der kurzen Kanzlerherrschaft von Or. Michaelis! Die hundert Tage dieser Kanzlerschaft haben gezeigt, daß alles organisatorische Talent, alle Veamtcntüchtigkeir, -aller unermüdliche Fleiß, alle Lauterkeit des Charakters nicht ausreicht, um auf dem glattesten Boden festzustehen; und daß es ohne reichste parlamentarische Erfahrung, ohne diplomatisches Wissen und Geschick nicht geht. So sehen wir denn mit menschlichen: Bedauern einer: Mann scheiden, dessen ehrlicher Wille nicht zu bezweifeln ist, dessen gute Absichten besseren Erfolg verdient Hütten, und der bei Uebernahme des ihm' aufgeladenen .Amtes eben nur altpreußischen Beanttengehorsam und jedenfalls weit mehr Opfermut als Ehrgeiz bewiesen hat. Auch vom Standpunkte der deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens haben wir in dem so schnell verbrauchten Reichskanzler einen Mann von strengem Gerechtigkeitssinn und menschlichem Wohlwollen den Juden gegenüber besessen — gerecht und wohlwollend nicht trotzdem, sondern eher weil er ein strenggläubiger, frommer Christ war. Mit allem Vertrauen dürfen wir aber auch den neuen Kanzler, Grafen Hertling, begrüßen. Wurzelt er doch als Politiker, als Zentrumsmann, noch in bet Zeit des Kulturkampfs, in der die Katholiken es spüren konnten, was. es heißt, um des Glaubens willen Zurücksetzung zu erfahren, oder gar als „Reichsfeind" verketzert zu werden. Reicht seine parlamentarische Vergangenheit doch in die Zeiten eines Windthorst zurück,- der eine Rede gegen den .Antisemitismus mit den Worten schloß: „Keine Judenhetze, aber auch keine K a t h o l i k e n h e tz e! Und nun sehen wir an der Seite des neuen Kanzlers, als dessen .Stellvertreter, «einen Führer der freisinnigen Volkspartei, die ja den Uebergriffen des Antisemitismus am kraftvollsten enttzegengetreten ist, einen Mann von der Gesinnung und Charakterstärke eines Payer! Ins 'preußische Ministerium tritt der nationalliberale Abgeordnete Dr. Friedberg als Vertreter des Ministerpräsidenten ein. So dürfen denn auch wir mit allen guten Hoffnungen und Erwartungen den neuen Kanzler an die Spitze der Neichsgeschäfte treten Men, den Mann, der zurzeit mit der reichsten parlc^

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