Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1917-11-01 · Heft 11 (November 1917) · p. 442

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
23 (1917)
Issue
Heft 11 (November 1917)
Article
Maximilian Horwitz
Date
1917-11-01
Page
442 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2316602-2316864-2316874-2352974--27808-2353118
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

442 Im Deutschen Reich dächtnisrede des 9\abbincr3 Dr. Weiße war getragen von' tiefem Verständnis für die Bedeutung des^Entschlaferren, die gleiche Snuuifeit und Wärme klang -aus der Bede Geheimrat Cassels hervor, der hier von einem treuen Freund und Mitkämpfer schmerzlichen Abschied nahm, und der Nachruf, den Geheimrat Timendorfer für die Großloge Bne: Brith hielt, beseelte derselbe Geist, dieselbe Empfindung. Die Rede aber, die im Namen, und so völlig irr: Sinne unseres Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Herr Geheimrat Dr. Eugen F u ch §, hielt, und die, aus ergriffenem Gemüte strömend, so ergreifend wirkte, sei hier im Wortlaut wiedergegeben: ' ,,In der Trauergemeinde, die sich um die Bahre unseres teurer: Horwitz schart, darf und will der Eentral'oerein deutscher Staaisbürger jüdischen Glaubens nicht fehlen. Lassen Sie mich im Namen seines Borstandes dem teuren Verblichenem einige Worte des Abschiedes sagen, lassen Sie nlich den Empfindungen Ausdruck (jeden, die auf uus einstünnen, uns bewegen und erregen. Unsere Herzerr sind vor: Beileid gerührt, von Trauer gepreßt, aber a::ch von Dank erfiillt, und von Stolz gehoben. fiRil innigstem Beileid begleiten wir den Schmerz der schwergeprüften Frau, der der Allmächtige so viel gegeben und so viel auf eirrmal genommen hat. Aber nicht bloß Beileid mit fremden: Leid läßt urrs trauern. Wir trauern aus eigenem Leid, denn wir haben unseren Führer verlöre::, der fast ein Vierteljahrhnndert den Verein mit sicherer, zielbewußter Hand durch die Fährnisse und Stürrr:e der Kindheit auf die Höhe gebracht, ar:f der er heute steht. Heute darf ich, wenn ich für den Verein spreche, in: Namen von 200 000 Inder: es beklagen, daß Horwitz nicht mehr der Kampfer für unser Recht, nicht mehr der Anwalt unserer Interessen, der Wächter unserer Pflichterfüllung ist. Auf den Grundsätzen der Selbstverteidigung ist der Verein, getreu Fichtes Mahnung an die deutsche Nation, daß kein Mensch und kein Gott und keinerlei von allen, im Gebiete der Möglichkeit liegenden Ereignissen uns helfen kann, sondern, daß wir urrs allein Helsen muff ent, falls uns geholfen werden soll. Rnd weil dieser Grundsatz dem innerster: Wesen seiner Eigenart, seiner froher: Kampfnatur entsprach, ist er, kaum daß der Verein entstanden war, unser Führer geworden, und ist es geblieben bis zum letzten Atemzuge seiues gottbegnadeter: Lebens. Ein Kämpfer für unser Recht, ein Wächter für unsere Pflicht! Von Gerechtigkeitsgefühl .durchdrungen, hat er sich frühzeitig dem uns aufgedrungener: Kampf der Abwehrbewegung angeschlossen, um für die Gleichberechtigung der Iudenheit und die Gleichbewertung des Judentums im deutschen Vaterlande zu kärnpsen. In ihren Dienst hat er mit vorbildlicher Tatkraft die reichen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.